hier geht es zurück zum Inhaltsverzeichnis 
 
Die Haltung von Griechischen Landschildkröten im Garten
   Inhalt:
 
Meine Zuchtgruppen:
Zuchtgruppe 1 
(Griechische Landschildkröten, T.h.b) besteht aus einem männchen Nachzuchttier und zwei bis drei Weibchen, welche Sommer und Winter in einem ca. 100 qm grossen Freilandgehege leben.     
Das Männchen hat meine Tochter geschenkt bekommen und ist wegen falscher Ernährung ein "Höckertier"    
Zuchtgruppe 2  
(Griechische Landschildkröten T.h.b) besteht auch aus einem männlichen Nachzuchttier. Das erste Tier das bei mir schlüpfte, und es lebt mit drei Weibchen Sommer und Winter im Freiland, aber in einem etwas kleineren Gehege.     
Beide Gruppen besitzen in ihren gut strukturierten Gehegen heizbare Schildkrötenhäuser.  
(Siehe Tipps und Tricks ).      
Seit sie sich von selbst vermehren, brüte ich nur noch wenige Schildkröteneier aus. In den letzten Jahren habe ich insgesamt 11 winzige Jungtiere, die selbst geschlüpft sind, in diesen beiden Gehegen gefunden.     

Diese "Naturbruten", wie ich sie nenne, kommen nach dem ersten "Winterschlaf" (Dauer ca. 5-6 Monate) in den ca. 6 qm grossen "Kindergarten", wo sie mit ca. 30 weiteren Nachzuchttieren raubtiergschützt gehalten werden.

Meine Aufzuchtstation "Kindergarten":     
Auch diese Tiere besitzen ein heizbares Haus und leben 
Sommer und Winter im Freiland.
Erst wenn ein Tier mindestens dreimal eine vollständigen ca. 5-6 monatige "Winterruhe" hinter sich hat, bin ich bereit, sie in gute Hände wegzugeben. 

Zuchtgruppe 3  
(drei Europäische Sumpfschildkröten Emys orbicularis) lebt ebenfalls Sommer und Winter im Gartenteich. Siehe: Gartenteich
 
Die sieben Kardinalfehler der Landschildkrötenhaltung.
Es werden zuviele Tiere in  zu kleinen Gehegen gehalten. Gehege sind meistens zu klein, was parasitologisch, hygienisch bedenklich ist.      
Je mehr Tiere im Gehege, desto häufiger die Krankheitserreger. Ist ein Gehege einmal verseucht, erfolgen tägliche Infektionen. Da nützt keine Kur mehr was.   
(Die Schildkröte ist kein Rudel- oder Herdentier.) 
Man wählt eine zu anspruchsvolle Schildkrötenart Es gibt Arten, die selbst für Experten problematisch sind.  
Jungtiere Aufziehen ist ebenfalls anspruchsvoll.
Die Schildkröte wird falsch ernährt. Knochendeformationen, Gicht, Verfettung, Kieferdeformationen, zu schnelles Wachstum.      
Eine Zufütterung von Vitaminen z. B. in Form von Humanpräparaten kann fatale Folgen haben, ebenso die „Aufbauspritze“ aus der Veterinärmedizin.
Das Geschlechterverhältnis ist nicht optimal. Auf ein Männchen sollen ca. drei Weibchen kommen. Sonst ist mit schweren Kloaken- und Bissverletzungen zu rechnen.
Die Schildkröten werden in ungeeigneten Gehegen gehalten. Zu wenig Sonneneinstrahlung, keine Morgensonne, keine Verstecke (Gestrüpp), keine trockenen Sonnenplätze, keine heizbare helle Schutzhütte.  
Keine oder zu wenig Bewegung bei der Futtersuche. 
Es werden zu junge oder kranke Tiere gekauft. Stress oder organische Geburtsfehler können zum Tod führen.
Es wird keine oder eine für die Art falsche Winter- oder Sommerruhe gewährt. Auch Jungtiere benötigen im ersten Winter eine artgerechte Winterruhe. 
       
 
Fragen Sie einen Reptilienarzt.  
Er wird Ihnen bestätigen, dass praktisch alle Krankheiten der Schildkröten     
haltungsbedingt sind. 
Die Schildkröte gehört zu den meistgeschundenen Haustieren.
 
In unzähligen Familien wird sie aus Unwissenheit  falsch gehalten. 
René Pletscher, Ex- und Ehrenpräsident der SIGS
 
 
 
Mein erster Schlüpfling 1991. 
Heute hat diese Schildkröte schon viele Nachkommen.
Alle meine Tiere dürfen bereits im ersten Jahr eine ca. 5-monatige Winterruhe machen.
Es gibt keinen Grund ihnen dies zu verweigern!
 
 
     
*** 
 Drei- und vierjährige Nachzucht,     
zum Fotografieren in der Mittagssonne exponiert.     
Typischen Verhalten:     
Einige flüchten sofort in den Schatten,  andere stürzen sich aufs Futter
 
                                    Gewichte in Gramm meiner Schlüpflinge 2003/2004
Herbst nach dem 1. Sommer
(Die meisten Tiere sind Naturbruten.)
Frühling nach 4 Monate Winterruhe
im Kühlschrank
Herbst nach dem 2. Sommer
(Tiere 1 Jahr alt)
21.9
21
58
21.7
21
54
19.6
19
54
19.5
19
48
20.0
18
48
17.5
16
38
14.8
14
32
14.2
13
22
***
***
Längenwachstum der Griechischen Landschildkröte im natürlichen Lebensraum
--
Bild aus dem Fachmagazin "Schildkröte" von Hans Hersche 
 

Wachstumstabelle von Testudo hermanni hermanni
Diagramm von Dr. Luciano Di Tizio
anlässlich seines Referates an der SIGS-Tagung am 13. Sept. 2003 in Fribourg.
 
 
---
Gewichtszunahme im Habitat
 
Zeit
Gewichtszunahme
nach einem Jahr
max. das dreifache Geburtsgewicht
nach zwei Sommerzeiten ca. das fünffache Geburtsgewicht
nach drei Sommerzeiten ca. das sieben- bis achtfache Geburtsgewicht
 
 
Beispiel: Wachstumstabelle
Nachzucht 1998
 
15.8.98
20.8.98
28.8.98
9.9.98
 30.9.98
18.10.98 
 1.11.98
 
15.3.99
1. 5. 99 
für immer
ins Freie!
Tier Nr.
Gramm
Gramm
Gramm
Gramm
Gramm
Gramm
 Gramm
 
Gramm
Gramm 
1
22.6
24.8
26.3
29.2
 34.0
 44.6
 45.9
W
 40.5
59.6
2
21.6
22.7
26.1
27.0
 33.9
 43.0
 44.4
i
 37.4
56.9
3
20.3
21.6
23.8
25.8
 31.2
 39.2
 41.3
n
 34.3
48.8
4
19.3
19.9
21.2
24.0
 29.8
 38.6
 40.6
t
 33.7
48.4
5
17.7
19.7
20.9
22.6
 28.3
 35.5
 37.0
e
 30.4
46.4
6
17.6
19.2
20.8
22.0
 26.5
 34.1
 36.7
r
 29.7
46.0
7
17.1
19.1
20.4
21.4
 25.9
 32.7
 36.5
r
 29.3
45.4
8
16.8
18.0
20.4
21.2
 25.6
 32.4
 35.7
u
 28.8
43.7
9
16.3
18.1
20.2
21.1
 25.3
 31.9
 35.1
h
 28.4
43.2
10
15.9
17.8
19.9
20.9
 24.8
 31.2
 34.7
e
 26.7
42.9
11
 
 
15.8
18.3
 22.4
 27.6
 31.1
 
 26.1
38.3
12
 
 
12.1
15.1
 18.9
 24.3
 26.7
 
 23.1
35.3
13
 
 
11.1
14.8
 18.7
 24.2
 26.0
 
 20.9
33.4
14
 
 
 
14.6
 18.7
 23.5
 25.3
 
 20.5
32.6
15
 
 
 
13.2
 18.6
 23.1
 24.8
 
 20.3
32.5
16
 
 
 
13.1
 17.9
 22.8
 24.7
 
 19.3
26.9
17
 
 
 
12.0
 15.5
 19.0
 21.5
 
 17.3
25.1
18
 
 
 
9.5
 12.2
 15.6
 16.5
 
 ertrunken
 
 
Interessant ist das unterschiedliche Wachstum der Kleintiere bei identischen Haltungsbedingungen.
Bei 6 zweijährigen Tieren habe ich im Herbst eine Gewichtsdifferenz von 66% festgestellt.


 
 
Aufzuchtsstatistik 1991 - 1999
Testudo hermanni boettgeri
 
Jahr
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
Anzahl Eier
9
8
12
22
27
28
25
30
20 
Anzahl Tiere
5
8
8
0!
16
15
6
18
 8
Fruchtbarkeit 
55%
100%
66%
0%
60%
53%
24%
60%
 40%
minimale Brutzeit
56 Tage 
82 Tage 
67 Tage
 -
85 Tage
 55 Tage!
64 Tage
65 Tage
 -
maximale Brutzeit
65 Tage
89 Tage
80 Tage
 -
98 Tage!
 76 Tage
89 Tage
71 Tage
 -
 
Die Anzahl der befruchteten Eier liegt natürlich höher als die Angabe der Fruchtbarkeit in Prozent, denn einige Eier waren wohl befruchtet, aber das Embryo starb während der Bebrütung ab.
Zudem ist die Fruchtbarkeit meiner drei Weibchen unterschiedlich. Ich vermute, das liegt daran, dass gewisse Weibchen vom Männchen eindeutig bevorzugt werden.  
  Mittelmeerklima im Garten?
Ja, und das im April bei Schneefall!
(weisse Ostern nennen wir das)

Unser Klima ist wegen der zu tiefen Frühjahrs- und Herbsttemperaturen für mediterrane Schildkröten ungeeignet. Man kann ihnen aber mit geringem Aufwand ein artgerechtes Klima anbieten, wenn Ihnen ein geheizter Frühbeetkasten und ein windgeschützes sonniges Plätzchen zur Verfügung steht.

Das untenstehende Diagramm zeigt, wie selbst im April 1998, als wir wieder einmal "weisse Ostern" hatten, die Schildkröten jederzeit die ihnen zusagende und für den Stoffwechsel notwendige Temperatur im Gehege finden konnten.
Ich verwende einen Neogard-Frühbeetkasten, den ich mit zwei 100 Watt Strahlern bei bedecktem Himmel heize. Das ist alles! Am Frühbeetkasten sind drei zugfreie Öffnungen, die den Tieren jederzeit den Weg zur Futtersuche oder zum Sonnenbaden ermöglichen.

Die grünen Säulen im Diagramm geben die maximale Tagestemperatur im Frühbeet an,
die blauen Säulen zeigen die maximale Tagestemperatur an der Gehegewand in der Mittagssonne, und die Kurve mit den roten Punkten verbindet die täglichen Maximalwerte, die den Tieren zur Verfügung stehen.
Es ist erstaunlich, dass bei uns bereits im April, tagsüber recht hohe Temperaturen erreicht werden. Ich messe eben nicht im Schatten, wie es meteorologisch korrekt wäre, sondern am windgeschützten Ort, dort wo die Mittagssonne hinscheint, dort wo sich die Tiere sonnen!
Die Wärme suchenden Tiere wandern zielstrebig zu den ihnen bekannten Sonnenplätzen oder bleiben bei miesem Wetter oder wenn die Temperatur wieder mal unter Null fällt, im geheizten Schildkrötenhaus!

Fazit:
Sogar im kalten April 1998 konnte ich den Schildkröten im Freilandgehege auf 500 m über Meer eine tägliche Maximaltemperatur von durchschnittlich 38° Celsius bieten. (arithmetischer Mittelwert der Kurve mit den roten Punkten)
 

 

 
 
  e-Mail an den Verfasser
-
zurück zum Inhaltsverzeichnis