| Mittwoch, 15. Mai 2002, Kerkinisee.
13°/35°
Sonnenaufgang 06:30, Aufstehen: 06:45. Lerne, dass Kondensmilch, abgefüllt in eine Petflasche, auch sauer werden kann. Vor mir auf der Flussinsel stehen eng neben einander ca. 250 junge Seidenreiher. Dauernd krächzend, um Futter bettelnd. Die adulten Reiher hingegen scheinen Kontakt mit ihresgleichen zu meiden. Dazwischen ein Storch mit seinen roten Beinen und rotem Schnabel, und die seltenen Silberreiher mit gelbem Schnabel und gelben Oberschenkeln. Eine Kuhherde mit 10 Kälbern trabt in der Morgensonne flussabwärts. Die Kälber hüpfen wie junge Hunde herum. Ein Bild wie von Koller! Zuletzt kommt ein monumentaler Stier hinterher. Ich bleibe ganz ruhig! Kormorane fliegen mit hoher Flügelschlag-Kadenz recht schnell. Um 10 sind die Inseln plötzlich fast leer. Dafür kann ich in Ruhe die wenigen verbliebenen Vögel besser beobachten und mit dem Vogelbuch identifizieren. Über Mittag bis zum Abend platschen stundenlang die Vavalas flussabwärts durchs Wasser, um gegen Abend, teilweise flussaufwärts schwimmend, wieder zurückzukehren. Ganz selten sehe ich hier einen Kormoran die Flügel zum Trocknen ausbreiten, wie sie es sonst gewöhnlich tun. Ein im Fluss treibender Biber entpuppt sich als Wasserbüffel. Manchmal tauchen sie auch ganz unter. Die grösser werdenden Seidenreiher beginnen, sich heftig streitend, voneinander zu trennen. Nur ganz junge stehen auf den Flussinseln noch eng nebeneinander. Diese krächzenden Streitereien dauern Tag und Nacht. Heute ist ein heisser, aber schöner Tag. Drei Männer bessern die Beobachtungsstation aus. Alle Pelikane sind weg. Ein Wächter im weissen Suzuki grüsst mich. Es ist aber nicht der Chefornithologe Theodoris Nazaridis. Er antwortet, die Pelikane seien flussabwärts, kämen aber wieder. Abends lassen die Kühe im Baumschatten ihre Kälber trinken. Das dauert ca. 1/4 Stunde. Ein schönes Bild. Später ziehen von Westen dunkle Wolken auf. Weil zusätzlich ein heftiger Wind aufkommt, befestige ich das Vorzelt besser. Schlage die Seitenwand zurück und binde sie an den Zeltstangen fest, die ich vorher zusätzlich dreifach verankere. Abends ziehen die Kühe mit Ihren Kälbern - und dem Stier! - wieder an mir vorbei zu den Ställen. Donnerstag, 16. Mai 2002, Kerkinisee. 14°/35° Das war jetzt schon die dritte Nacht am Kerkini! Der Picup kam diese Nacht nicht vorbei. Weil die Nacht recht lau ist, nehme ich den Stuhl raus und trinke einen halben Liter Magermilch. Schliesslich um 22:30 ins Bett. Sonnenaufgang hinter den Bergen um 06:30. Am noch dunklen Himmel erscheinen bereits mehrere Formationen Kormorane, die flussauf- und flussabwärts fliegen. Oft sind es zehn Formationen und mehr, so dass sich der Himmel fast verdunkelt.
Ganz komisch sieht es aus, wenn an der Spitze einer grossen Formation schwarzer Kormorane ein weisser Vogel vorausfliegt. Weil hier in der Wildnis keine Telefonkabine ist, muss ich leider das Mobiltelefon benützen. Es funktioniert, aber wegen prepaid sehr teuer. 3.- bis 5.- CHF für ein Kurzgespräch von wenigen Sekunden! Der Himmel ist heute stark bewölkt. Kann deshalb ohne Hut spazieren. Trotzdem 21.5 Grad C im Schatten (angenehm!). Wäre schön, wenn's so bleibt. Wandere flussaufwärts. Dort sind die Flussinseln randvoll besetzt mit Vögeln. Sehe einige ganz schwarze Sichler, aber nicht so grosse, wie im Parey S. 50 beschrieben. Vielleicht sind sie noch jung. Entdecke auch viele Seeregenpfeifer. Neben den vielen Wasservögeln vergesse ich fast die bunten Bienenfresser, inmitten deren Brutkolonie ich campiere. Ein junger Mann fährt in einem uralten Picup vorbei zur Beobachtungsstation. Aha, doch ein einheimischer Ornithologe! Weit gefehlt! Er hält nur nach Fischen Ausschau. Auf meine Frage, ob er mir ein Paar Hörner eines Wasserbüffels besorgen könne, wie sie an der Türe zur Beobachtungsstation angenagelt sind, montiert er diese kurzerhand ab. Gebe ihm fünf Euro. Nach einer Weile kommt er mit einem Kollegen zurück und bringt mir noch ein Paar, aber schönere, mehrfach verdrehte. Geld will er keines mehr. Das Fahrzeug des Kollegen ist sicher der Picup, das jeweils mitten in der Nacht zwei Mal an mir vorbei fuhr. Mittags treffen 8 Holländer mit Fernrohren ein. Eine Gelegenheit wieder einmal mit Menschen zu reden. Einer hat Hartmut Heckenroth mit Frau in Sidirokastro gesehen. Sie wollten Bernd Mitte Mai besuchen. Also ist er noch im Land. Wäre schön, die beiden zu treffen. Mittagsschlaf im offenen Auto - heiss und schwül. Um 15 Uhr ca. 35 Grad C. Auf der Peloponnes ist es jetzt sicher zu heiss für mich. Mit Freude sehe ich, dass alle Pelikane wieder am gegenüberliegenden Seeufer sind. Ich schätze so an die 200 Stück. Tausende Seeschwalben fliegen oft lange Zeit in dichten Schwärmen im Kreis. Weil die Spiegelungen im Wasser, die Vogelkolonien auf den Flussinseln und die gesamte Stimmung täglich wechseln, ist es gut, wenn man nicht nur einen Tag hier bleiben kann. Eine Woche am Kerkinisee ist nicht zuviel. 18 Uhr wieder ein Traumbild: Tausende Vögel in der Abendsonne! Im Abendlicht fliegen 32 Pelikanen in Breit-Formation flussaufwärts. Pelikane muss man fliegen sehen. Unglaublich elegant fliegen diese an Land so schwerfälligen Tiere. 18:30. An meinem Standort drehe ich mich mit dem Feldstecher langsam um volle 360 Grad und sehe alle Arten von Vögeln im besten Abendlicht. Einfach unbeschreiblich, kann mich nicht satt sehen. Gegen Abend kommt eine Gruppe Franzosen mit ihren Fernrohren. Sie zelten weiter flussaufwärts am Ufer des überfluteten Sees. Nacht sitzen sie am Lagerfeuer, aber ruhig. Freitag, 17. Mai 2002, Platamonas Hotel Morfeas. max 30° Vor dem Frühstück gehen die Franzosenmänner zur Beobachtungsstation, während ihre Frauen das Frühstück zubereiten. Dann reisen sie bereits wieder ab. (vorher alles sauber aufgeräumt) Sie haben eine Bootsfahrt auf dem See bestellt. Fahre gegen Mittag die 6 km zurück zur Brücke über den Strimon. Kaufe beim Bäcker in Virhonia (Ullis Tipp) Rosinen- und Sesambrote. Zimmerbezug im Hotel Morfeas, Platamonas: DUSCHEN! (lange und heiss) Im Ort treffe ich wieder meine zwei Flieger (Womble). Dann rauf zu Bernd. Dort sind nur noch 2 Helfer: Petra und der einarmige Lee. Bernd hat Jule aufs Flugzeug gebracht. Vorher sind beide noch zu den Wildpferden am Axios gefahren. Ausgerechnet abends auf dem Damm musste Bernd ein Rad wechseln und ist mehrmals den Damm hinuntergeflogen. Zudem hatte das Auto auf dem Schotterdamm keinen Halt und der uralte Wagenheber war total verklemmt und verrostet. Nach langer Mühsal hat es Bernd dann doch hingekriegt, und konnte Jule am Morgen zum Flughafen bringen. Zwei Ersatzreifen hatte Alois, der Chaot, aus Unachtsamkeit zersägt. Die anderen beiden Helfer, Daniel und Claudia hatten in der Zwischenzeit den Dienst quittiert. Nun kommt das Allerschönste: Abends trifft Heckenroth mit Frau ein. Welch ein Zufall! Gemeinsam fahren wir zum Restaurant "Sorbas" und treffen dort Christel mit den beiden Fliegern. Ein schöner Abend mit interessanten Gesprächen und griechischen Speisen. Christel scheint mir etwas traurig zu sein, aber das ist wohl ihre Art. Nachts im Hotel höre ich zweimal die verd..... Alarmanlage vom Nachbarn, die Womble auch so grausam nervt. |