| Sonntag, 12. Mai 2002, Platamonas.
15°/22°
Kaufe eine Flasche guten Wein für Besuch bei Familie Köhle. Gegen Mittag Einsammelaktion in N.Pori. 8 Personen (Bernd, seine Helfer und ich) sammeln innerhalb zwei Stunden 82 Schildkröten. Je näher die Hotelüberbauung rückt, desto mehr Schildkröten drängen sich auf dem letzten Geländestück zwischen Meer, Fluss und Autobahn zusammen. Aussetzen jenseits der Auto- und Eisenbahn, unweit des angestammten Habitats. Nachdem ich mein Auto für die morgige Fahrt mit 2 Helfern zum Flughafen Thessaloniki bereit gemacht habe, will ich das Ehepaar Köhle besuchen. SCHEISSE! Ich kann den Subaru nicht starten, obwohl die Batterie in Ordnung ist. ... Besuch bei Köhle absagen! ... Termin für morgen früh zum Flughafen bei Christel absagen! Ein Tessiner, der im App. wohnt, kann auch nicht helfen. Der App.-Besitzer hilft mir alle Sicherungen auszubauen und zu kontrollieren. Alles i.O. Später kommt Christel mit Womble und Fliegern. Alle helfen und bauen bis in die Nacht noch einmal alle Sicherungen und Relais aus. Alles i.O. aber der Motor kann trotzdem nicht gestartet werden. Bernd kommt auch, und hilft bis in die Nacht. Leider alles zwecklos. Der Wirt im Restaurant nebenan telefoniert mit der Pannenhilfe. Heute geht nichts mehr! Ich soll warten bis nächsten Morgen 8 Uhr, und dann Athen anrufen. Vielleicht muss das Auto zur nächsten Subaru-Werkstatt nach Athen (400 km) oder Thessaloniki (100 km) transportiert werden, vermutet Erwin, der Inhaber einer Auto-Werkstatt in Platamonas. Das Schönste: Als Liana meine Schildkrötenbilder am Auto sieht: "g e i i i i i L" Räume alles wieder aus dem Auto und trinke mit Bernd nebenan "Mala Matina" (Retsina) und schlafe dann im Appartement, so gut es in meinem Ärger geht. Montag, 13. Mai 2002, Kerkinisee. 11.3°/31° 8 Uhr Telefon mit Pannenhilfe, man spricht gut deutsch. Ich vermute eine Zusammenarbeit mit ADAC. Rückruf leider nicht möglich, da im App. kein Telefon und mit Handy (prepaid) viel zu teuer! Auch geht die Telefonkarte zu Ende. Im Ort ist am Montagmorgen noch alles zu. Auf der Post verkauft man mir die letzte Telefonkarte. Die reicht nicht weit, sind ja nur knappe drei Euro drauf. Stinksauer telefoniere ich mit der Garage in Freienbach, wo ich das Auto gekauft habe. Man soll die Sch....-Kiste abholen! Dort macht man mich auf meine internationale Mobilitätsversicherung aufmerksam, da das Auto ja noch unter Garantie steht. Sofort nehme ich mit der Versicherung Kontakt auf (eine Genfer Telefonnummer). Man verlangt, dass ich alle Abmachungen mit ADAC und der Garage in Platamonas annulliere. Halb 12 Uhr kommt ein klappriger halbverrosteter Abschleppwagen. Gemeinsam schieben wir den Subaru aus dem Garten. Das Auto wird aufgeladen, festgezurrt und (mit mir) nach Katerini gefahren. In einer halben Stunde ist der Fehler gefunden: "Nur" ein schlecht gelöteter Kontakt am Zündschloss. Nachmittags ist der Wagen repariert, ich verabschiede mich von den beiden Fliegern und Christel (sie gibt mir sogar einen Kuss!) und fahre nach Norden zum Kerkinisee. Die Umfahrung von Thessaloniki ist total verstopft mit stinkenden LKWs. Treffe auf dem Damm des Strimonflusses Genfer WOMO. Es sind Tonjäger, nette Leute. ![]() Bienenfresser schwirren um meinen Campingtisch und stimmen mich wieder friedlich. Am anderen Seeufer ca. 100 Pelikane, die sich in der Abendsonne im Wasser spiegeln. Öffne den Wein, den ich für Köhle gekauft habe. Erlebe einen wunderschönen Abend. Auf einem Ast unweit von mir sitzen acht Bienenfresser, knallbunte Vögel. Nach 10 Nächten in Platamonas im Appartement, schlafe ich wieder im Auto. Standort: 100 m (oder 340 Schritte) östlich der kleinen Beobachtungsstation auf dem Süddamm des Strimon.
Nachts gut geschlafen, aber oft wach. Der Nachthimmel ist ein Meer funkelnder Sterne, wie ich es schon lange Zeit nicht mehr sehen konnte! Stelle fest, dass sich der Grosse Wagen im Gegenuhrzeigersinn dreht. Um 02:30 fährt mit eingeschalteten Scheinwerfern ein Picup vorbei und kommt 05:30 wieder zurück. Am Morgen stelle ich das Sonnenzelt auf. Mit höheren Stangen, damit ich aufrecht darunter stehen kann. Für die Zukunft: - Doppelt so lange Zeltschnüre - 4 Sandheringe - stabiler Wasserbehälter - zwei zusätzliche Zeltstangen à 1.7 m (Relinghöhe) Am gegenüberliegenden Ufer stehen wie Polizisten ca. 42 Rallenreiher im Abstand von je ca. 3 - 10 Meter zueinander. Auch viele Jungvögel darunter. Bienenfresser wieder neben mir auf dem Baum im Wasser. Lautlos vorbeifliegende Pelikane - Wahnsinn! Unzählige Kormorane! Wenn ein Löffler vorbeifliegt und er seinen Kopf senkt, um unten etwas zu erspähen, sieht er mit seinem Löffelschnabel komisch aus.
Er warnt mich mehrmals eindringlichst vor Räubern und Mördern in dieser Gegend. Am Pferch der Wasserbüffel (Vavala) eigenartiges Gerät zum Hörner putzen. Mache Skizze. Manchmal fliegen 2-3 Löffler im gemeinsamen Verband mit Kormoranen. Auch Pelikane mit Kormoranen. So gegen halb 11 Uhr bevölkern sich die Inseln im Fluss. Hunderte Vögel fliegen oder schwimmen flussabwärts. Rosapelikane, Löffler, Reiher, Kormorane immer mehr und mehr - Wahnsinn! Ca. um 11 sitzen ca. 83 Pelikane auf der Sandbank im Fluss direkt mir gegenüber. Um 12 verlassen plötzlich alle Pelikane die Insel und fliegen flussaufwärts. Dafür kommen junge Seidenreiher und Löffler. Ein ständiges Kommen und Gehen! Nur die Bienenfresser mit ihrem ständigen Piepsen und akrobatischen Flugkünsten bleiben in der Brutkolonie. In den Wiesen auf den Inseln viele winzige Limikolen. ![]() |