Am Strimonas, dem Zufluss des Kerkinisees 
Dieses Jahr zieht es mich Ende April zuerst zum Kerkinisee, um dort die Aufzucht der Jungvögel zu beobachten, die in den vergangenen Jahren im Mai bereits gross waren. 
Auf dem Süddamm des Strimonas fahre ich im Schritttempo nach Westen, bis es im Sumpf nicht mehr weiter geht. 
Vor mir fliegen riesige Pelikanschwärme auf und landen elegant im Fluss oder im nahen See. 
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Darauf habe ich mich das ganze Jahr gefreut. 
Ich fühle mich im Paradies.
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Kaum habe ich an der gleichen Stelle wie in den vergangenen zwei Jahren mein Camp eingerichtet, kommen junge Burschen von Megalohóri und fragen mir Löcher in den Bauch. 
Einer möchte meinen Zeiss-Feldstecher benützen. Aber er interessiert sich nicht für Vögel, sondern wie alle Griechen späht er, und dann auch seine drei Kollegen nach Fischen. 
Einer bittet mich um einen Schluck Wasser und sein Kollege leert sich zu meinem Entsetzen den Rest der Flasche über den Kopf. Es ist heiss, sehr heiss! 
Bis zum nächsten Ort, um Trinkwasser zu holen, sind es ca. 10 km Piste und ich will doch eine Woche hier bleiben. 
Mit scharfem Blick sieht ein anderer mein Handy auf dem Armaturenbrett in der prallen Sonne liegen und rät mir, es besser in den Schatten zu legen. Ich bin ihm dankbar. 
Schliesslich erfüllen sie mir einen Wunsch und bringen mir die Hörner eines Wasserbüffels. Zu meinem Erstaunen mitsamt dem Schädel. 
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Im Hintergrund zieht eine hundertköpfige Herde indischer Wasserbüffel stromabwärts. Abends kommen sie dann, nachdem sie des Strom durchschwommen haben,  auf meinen Ufer wieder zurück, und ich muss aufpassen, dass sie meine Zeltschnüre nicht zerreissen.
Vorsichtig pirsche ich mich an eine Pelikankolonie heran. 
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Diesmal gelingt es mir, sie zu fotografieren, bevor sie wegfliegen. 
 
Am anderen Seeufer sehe ich in der Ferne einen Mann in roten Hosen, der stundenlang Vögel beobachtet. 
Nach einigen Stunden kreuzt er auch auf dem Süddamm auf. 
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Lambros von Patras, ein Fotograf und Naturfreund. 
Er gab mir die Telefonnummer des Chefornithologen der "Kerkini Wetlands", Theodoros Naziridis, den ich schon lange einmal persönlich kennen lernen möchte. 
Lambros kennt auch meinen Freund Andrea Bonetti, der ein Buch über Griechenlands Fauna schreibt. 
Naturfreunde kennen, treffen und verstehen sich! 
 
Nachdem Lambros zwei Tage in Saloniki war, treffen wir uns hier wieder. 
"So peacefull" sei es hier, begrüsst er mich. 
Der ganze Kofferraum seines Autos ist voll Filmschachteln. 
Schade, dass ich seine Bilder nicht sehen kann. die er mit seinem 800 mm Teleskop schiesst.
Hinter dem Damm als Sichtschutz fahre ich nahe ans Ufer des Strimon und kann stundenlang Pelikane, Löffler, Zwergscharben, Kormorane und Seidenreiher mit ihren Jungvögeln beobachten.
Kaum komme ich etwas zu nah, flüchten die Vögel und das Wasser scheint zu kochen, so schäumt es von den vielen Flügelschlägen. 
 
Mit meinem Mini-Schlauchboot paddle ich wie ein Pelikan langsam über den See. 
Das weisse Gebilde am Ufer ist mein Camp zwischen See und Fluss. Ein idealer Standort. 
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Leider fliegen alle Vögel fort, wenn sie mein Boot sehen. Nächstes Jahr will ich die Sümpfe im Norden befahren. 
Lambros rät mir dazu. 
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Etwas Glück habe ich trotzdem, kann ich mich doch an einen Purpurreiher, der sehr selten sei, herantreiben lassen. 
Fische sehe ich praktisch keine. Meine Augen sind auch nicht mehr die Besten. 
Ein Grieche erzählt mir, dass er früher fast über die unzähligen Karpfen hinweglaufen konnte. 
Heute gäbe es leider nur noch "Schmetterlingsfische". 
Was das sind, weiss ich nicht.
Beim ersten Tagesgrauen fliegen bereits riesige Vögelformationen  stromauf- und abwärts und mit dem Ferngals in der Hand vergesse ich, dass es Zeit ist, mein  Frühstüch zuzubereiten. 
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Hier startet eine Formation Pelikane. 
Ein eindrückliches Schauspiel. 
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Nur einen einzigen Tag am Kerkinisee zu bleiben, wie es die meisten Touristen tun, ist zu wenig, denn fast tagtäglich, bietet sich ein völlig anderes Bild. 
Mal sind die Vögel am anderen Seeufer, mal nirgends zu sehen, mal schwimmen sie ganz in der Nähe im Fluss. 

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Meist sind um diese Jahreszeit schon  Bienenfresser da und tausend Limikolen. Täglich schwimmen hunderte Wasserbüffel im Fluss, und säugen auf dem Damm Kühe ihre Kälber... 
 

Auf den Sandbänken im Fluss ziehen die Vögel ihre Jungen auf. 
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ca. 128 Pelikane zähle ich auf dieser Flussinsel.
Pelikane im Abendlicht. 
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Bevor es dunkel wird, krieche ich in den Schlafsack  ....und Millionen Frösche begleiten mich quakend in den Schlaf.
Foto Guido Sachse
Der Verfasser mit Weitblick, heimlich fotografiert vom Naturfotograf Guido Sachse.
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