Platamonas  den 6. Dezember 2002

Jahresbericht 2002

Es ist wieder so weit, um über die Höhen und Tiefen unseres Tierschutzvereins zu berichten !
Aus aktuellem Grund beginne ich mit einer Wetterkatastrophe, die erst einige Tage zurückliegt.
Dazu der Bericht, welcher auch auf unserer Internetseite zu lesen ist – dort natürlich mit Fotos dokumentiert:

................mit nem "Blauen Auge" davongekommen !

........werde heute versuchen zu Tal zu kommen - die Strasse zu mir hinauf gibt es praktisch nicht mehr ! Das ständig ausgetrocknete Bachbett, welches ich immer durchfahren muss, ist ein reißender Fluss geworden. Die gewaltigen Wassermassen haben mein gesamtes Grundstück überflutet. 5 Kubikmeter Kies und 4 Kubikmeter Sand sowie 10 Säcke Zement und viele Dachziegel wurden innerhalb weniger Sekunden fortgeschwemmt. Zwei Terrarien wurden völlig zerstört, zwei sind reparabel ! Zwei Tiere waren nicht mehr auffindbar. Nun habe ich endlich ein Dach für die Tiere, und dann kommt das Wasser von unten ! Das Marginata- Gehege stand an der tiefsten Stelle völlig unter Wasser. Ich habe nachts ein großes Loch unter das Betonfundament graben müssen, damit das Wasser abfließen kann. Zum Glück habe ich die Laubhaufen zur Überwinterung an erhöhten Plätzen angelegt. Leider wurde ein Teil des neuen Zaunes mitgerissen. Meinen provisorischen Werkzeugschuppen gibt es nicht mehr. Sämtliche elektrischen Maschinen lagen über nacht unter Wasser. Kann noch nicht sagen, was davon noch zu retten ist. Der Akkubohrer und die elektrische Kettensäge sind entweder zu Tal gespült worden oder liegen unter
Schlammassen. Zum Glück befand sich der neue DREMEL im Haus !

Gestern habe ich den ganzen Tag damit verbracht, die Schlammassen vor meiner Tür und auf der Terrasse zu beseitigen, damit ich das Haus überhaupt verlassen kann. Ich schätze den Material- Sachschaden - ohne Maschinen und Werkzeug - auf etwa 1500 Euro. Ich brauche sicherlich zwei Wochen, um die Schäden zu beheben. Mein Privatweg ist nur noch mit dem Geländewagen zu befahren. Allerdings sind das alles Kleinigkeiten - viele Menschen haben ihre Häuser komplett verloren!

Das erstemal in meinem Leben hat mir das Wetter Angst gemacht. Ich wusste nicht wie ich mich verhalten sollte. Meine alte Seglerkombi lag griffbereit, um das Haus zur Not verlassen zu können. Und am Donnerstag soll das nächste Unwetter kommen.

"Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich noch heute mein Apfelbäumchen pflanzen" ! Martin Luther

Eine Zwangspause in der Bauphase - bin pleite !



O AETOS / Seite 2

Das zweite angekündigte Unwetter hat uns zum Glück verschont – es zog nördlich des Olymps vorbei, hatte nicht die vorhergesagte Gewalt. Das Gewitter, welches bei uns nieder ging, konnte keinen größeren Schaden mehr anrichten !
Dieses Entwarnung machte ich zu früh ! Vergangene Nacht und am heutigen Tag brauste erneut ein Unwetter, mit noch mehr Gewalt über die Olympregion hinweg. Sämtliche Aufräumarbeiten, die ich in den vergangenen zwei Tage erledigt hatte, waren umsonst. Ein Teil des Vordachs wurde abgedeckt und mein Generator geflutet !  Es wird langsam brenzlig. Die einzige Brücke, die mich mit der Zivilisation verbindet ist bereits überspült !

Weitere Berichte über dieses Unwetter finden Sie in den:
Aetos-News  http://www.udena.ch/wilf/aetos4.htm

Nach dieser Katastrophenmeldung möchte ich nun über schönere Dinge sprechen:

Das Marginata- Gehege:
Ein verwilderter Weingarten von 450 qm wurde mit einem Betonfundament eingefasst. Der Zaun und die Zaunpfähle wurden mit eingegossen. Das Fundament ragt etwa 30 cm über den Boden hinaus.
Diese aufwendige Konstruktion hat sich bereits im ersten Jahr hervorragend bewährt.
Im Gehege leben 25 weibliche- und vier männliche Breitrandschildkröten – sie sind sich völlig allein überlassen. Viele der „Insassen“ sind ehemalige Pfleglinge unserer Station. In den trocknen Sommermonaten wird lediglich beigefüttert ohne das Gehege zu betreten. Die Weibchen legen im Gehege ihre Eier ab. Das Gelege verbleibt im Boden, wodurch eine völlig natürliche Brut und Aufzucht der Jungtiere garantiert wird. 98 Nachzuchten konnten bereits in diesem Jahr registriert werden, welche im kommenden Frühjahr ausgewildert werden. Bedingt durch den katastrophalen Winter – so nehme ich an – und den Temperaturen von – 22° C in den Marginatagebieten und – 12° C bei uns im Gehege, waren die ersten Gelege bis zu 80% unbefruchtet. Wenn sich das Wetter wieder normalisieren sollte, rechnen wir mit 150 – 200 Marginata- Nachzuchten pro Jahr.

Das Lazarett:
Diese etwa 70 qm große, völlig eingezäunte Gehege dient der Unterbringung der verletzen Tiere. Das Gehege ist in sechs Abteilungen unterteilt. Nach dem Vorbild des Marginata- Geheges, wird auch hier ein Betonfundament gegossen. Einzelne Abteilungen müssen ebenfalls mit einem Betonboden versehen werden, da die schwerverletzten Tiere oft von Ratten angefressen werden, die durch den Erdboden eindringen. Ein Teil dieser Arbeiten ist bereits abgeschlossen.

Die Wasserversorgung:
Die beim Kauf des Geländes vorhandene Bewässerungsanlage wurde erweitert, das Wasserreservat abgedichtet und neue Leitungen gelegt. Bei allen Gehegen liegt nun Wasser in nächster Nähe, was die Pflege erheblich erleichtert.

Das Gelände:
Bedingt durch die Hanglage des Geländes war es dringen notwendig, einen vernünftig begehbaren Zugang zu den Gehegen zu schaffen. Bei Nässe glich der Trampelpfad einer Rutschbahn, der am besten auf dem Hosenboden genommen wurde. Eine gegossene Betontreppe und mit Steinplatten versehene Wege führen nun zu den vorhandenen Gehegen. Diese notwendige Maßnahme macht das Gelände ebenfalls besucherfreundlich.

Das Dach:
An der Ostseite des Hauses wurde eine etwa 25 qm große Fläche überdacht. Nun habe ich zwar sehr wenig Licht im Haus, dafür besteht aber endlich ein Schattenplatz für die Terrarien, in denen die Intensivfälle leben. Sollte irgendwann die beheizbare Intensivstation gebaut werden können, wird hier eine offene Küche entstehen, wo Terrarien, Futterbehälter und alles was mit Tieren zu tun hat, gereinigt werden kann.

Der Zeltplatz:
An der Nordseite des Geländes wurden in den Hang zwei kleine Natursteinmauern gesetzt. Auf zwei Ebenen kann nun je ein Zelt für Freiwillige Helfer aufgestellt werden.
Machte eben einen Kontrollgang durchs Gelände und musste leider feststellen, dass eine der beiden Mauern von den Wassermassen des Unwetters weggerissen wurde !

Für die Dachkonstruktion hatte ich einige Tage bezahlte Fremdhilfe angenommen. Alle anderen Arbeiten wurden von Freiwilligen Helfern verrichtet !!!!!


O AETOS / Seite 3

Freiwillige Helfer:
24 Freiwillige Helfer unterstützten in diesem Jahr die Arbeit des Vereins.
Der kürzeste Aufenthalt einiger Helfer war eine Woche, der längste 60 Tage.
Die Helfer wurden mit Unterkunft und Essen versorgt – finanziert durch Spenden.

Spenden und Ausgaben 2002:
Eingegangene Spenden und Patenschaften bis einschließlich 30. November 2002...............6.715,56  Euro
Ausgaben des Vereins bis einschließlich 30. November.....................................................7.272.91 Euro

Die Ausgaben setzten sich aus folgenden Posten zusammen:

Baumaterialien, Unterkunft und Verpflegung für Freiwillige Helfer..............6.072.91  Euro
Futter und Medikamente für Tiere......................................................... ..500,-     Euro
Bauarbeiten – Fremdhilfe........................................................................700,-     Euro

Einzelnachweise sind in unseren Vereinsbüchern aufgeführt !

Da wir gerade bei Spenden sind: Ich möchte mich bei allen ganz herzlich bedanken. Ich hatte nicht erwartet, dass so viele Spenden eingehen würden. Auch hatte ich nicht erwartet, dass mit dem Geld soviel aufgebaut werden kann - ich bin ein bisschen stolz !  Und das sollten die Freiwilligen Helfer auch sein – DANKE  !
Wenn der Spendenfluss nicht versiegt und die Helfer wieder richtig anpacken, sollte in zwei Jahren die Intensivstation stehen ! Für medizinische Instrumente und reichlich Verbandsmaterial hat der „Schildkrötenfreunde Horst e.V.“ gesorgt. Nun fehlt nur noch das Haus drumherum ;-)

Politisches:
Nach dem Motto: „Gemeinsam sind wir stark“, hat der O AETOS e.V. die Zusammenarbeit mit den Betreuern des Chamäleonprojektes auf der Peloponnes beschlossen. Die ersten Früchte aus dieser Zusammenarbeit können schon bald gepflückt werden. Der Schweizer Biologe Andrea Bonetti, der die Obhut über das Projekt innehat, verfügt über gute Kontakte zu entsprechenden Ministerien in Athen.
Einzelheiten über das Chamäleonprojekt – besser gesagt Chamäleondesaster im Anhang !

Hier ein mail von Andrea an unseren Verein:

Hello bernd,
how are you? cold up there?
How are the chameleons now? still problems? I have good news for you. I spoke with mr. Handrinos at the ministery of the agriculture. He sayd that they are changing now the laws about the ZOO's. He didn't know about your turtle project, and he said that you must be careful because normally they should confiscate the animals. But he said that it is not a problem, because he knows that we all are doing our best for the saving of our beloved reptiles, and he is specially sensitive about turtles. He will give us the license for the zoo in Pylos and also to you in Olympos. We have to wait until next spring at least, but everything will be ok. So we will all do finally our things legally.
I still have several things to organize in Pylos and Athens, so I will come to Olympos a bit later, maybe around Christmas or later. Will let you know
ciao  Andrea

Mit dieser Legalisierung wäre unser Verein einen Riesen Schritt weiter – Anerkennung in Griechenland – es ist kaum zu fassen !


O AETOS / Seite 4

Im Oktober war ich für ein paar Tage auf der Peloponnes, um mich mit den Betreuern des Chamäleonprojektes zu treffen und die Form der Zusammenarbeit zu besprechen. Als erstes jedoch wurde ein großes Gehege für einige der letzten Chamäleons gebaut. Danach ging es um die Zukunft.
Andrea wird meine Belange in Athen vertreten – da sitzt er am kürzerem Hebel, und ich vertrete das Chamäleonprojekt, welches ebenfalls in einem mit Füßen getretenen „Natura 2000“ Gebiet liegt in Brüssel bei der EU. Dort habe ich einen neuen Ansprechpartner und hoffe, dass unsere Beschwerden gegen den Griechischen Staat mehr Gehör finden.

In Griechenland waren vor ein paar Wochen Kommunalwahlen. Einige Bürgermeister, mit denen ich mich rumschlagen musste, werden zum Jahreswechsel ausgetauscht. Schlimmer als die alten können die neuen nicht sein !  Ich blicke also sehr zuversichtlich ins 2003 !

Pinios Delta:
Die Jagd wurde dort weitgehend eingestellt. Allerdings fehlt mir die Zeit, dieses ständig zu kontrollieren. Bei meinen Besuchen - seit Beginn der Jagdsaison - konnte ich noch vereinzelt Schüsse hören aber keine Fahrzeuge der Jäger mehr vorfinden. Man schleicht sich offenbar in das Gebiet.
Dennoch kann man den Zustand als Erfolg bezeichnen ! Griechenland, das Land der kleinen Schritte !

Objektiv betrachtet - wenn man von den Wetterkatastrophen absieht - war das Jahr 2002 sehr erfolgreich.
Vielversprechend schätze ich das kommende Jahr ein. Ein neues Mitglied ziert unsere Vereinbücher - eine engagierte, echte Griechin ist bald unser Schriftführer !   ...............es geht voran !

Am Rande bemerkt:

Zwei griechische Familien hatten uns in diesem Sommer besucht. Bis auf die Oma hatten alle die Vierstreifennatter angefasst und mit Erstaunen festgestellt, dass diese Berührung der Schlange nicht eklig war – sie es sogar als angenehm empfanden !
Bei der Vierstreifennatter handelt es sich um eine Schlange mit gebrochenem Gaumen- und Kieferknochen. Bis zur endgültigen Genesung muss ich das Tier stopfen, da sie alleine nicht die Futtertiere festhalten kann. Durch diese Tatsache ist das Tier sehr zahm geworden und steht nicht unter großem Stress, wenn sie angefasst wird. Der Gedanke, die Schlange auch nach der Genesung als Demoobjekt für Schulklassen zu behalten, verfestigt sich bei mir mehr und mehr.

So; ich möchte euch nicht weiter mit meinem Rundschreiben langweilen. Falls das richtige Weihnachtsgeschenk für eure Lieben noch fehlt, hätte ich eine Idee: Eine Patenschaft für eine Schildkröte – denn es gibt noch viel zu tun:

Bau der Intensivstation
Raubzeugsicheres Lazarett
Gehege für die Griechische Landschildkröte
Erweiterung der Solaranlage
u.v.m.

Zur Erinnerung:
Zum Jahreswechsel werden die Vereinsbeiträge fällig.
Die erste Schildkröten- Exkursion ist vom 26.04. – 04.05.2002 am Olymp.
Mehr fällt mir nicht ein !
Frohe Weihnachten wünscht euch
Bernd