| Liebe Paten, Helfer und Spender,
es ist an der Zeit, euch über die Ereignisse der vergangenen Monate zu informieren - vieles ist passiert! Der Jahrhundertwinter liegt nun sechs Wochen hinter uns und hat seine Spuren hinterlassen. Temperaturen von - 12° C an der Küste, und bis zu - 22° C in einigen Schildkrötenhabitaten im Ossagebirge, bereiteten mir große Sorgen. Die enormen Schneemassen waren bereits weggetaut, als die große Kälte kam. Die zuvor schützende und isolierende Schneedecke war verschwunden. Da speziell die T. marginata in unserer Region keine durchgehende Winterruhe hält, sondern schon bei Temperaturen um + 8° C ihr Versteck verlässt, sieht sie sich auch nicht veranlasst, tiefe frostfreie Ruheplätze aufzusuchen oder anzulegen. Ein dichter Strauch, ein kleiner Laubhaufen oder zwei Zentimeter Erde über dem Panzer, scheint den Tieren zu genügen. Die Kälte kam plötzlich über Nacht! Ich rechnete mit großen Verlusten bei unseren Tieren und kontrollierte ihren Ruheplatz. Nur von ein paar Zweigen bedeckt fand ich einige Marginatas, die von dünnem Eis überzogen, an der Erde festgefroren waren. Das Thermometer zeigte - 12° C am Boden! Das war am 6. Januar. Am 19. Januar bereits lagen die drei Tiere bei + 8° C in der Sonne und am 28. Januar konnte ich die ersten Paarungsversuche beobachten! Meine Sorgen sind seit dem 8. März völlig verflogen, denn an diesem Tag ist FINO bei 24°C aus seinem Versteck gekommen - völlig verschlammt aber fit. Damit haben alle Pflegefälle den harten Winter überstanden. Die Nachzuchten von 2001 dagegen sind noch in tiefer Erde vergraben. Dort werden sie, je nach Wetterlage bis Anfang April bleiben. In der Landwirtschaft sieht die Situation leider nicht so rosig aus. In vielen Olivenplantagen sind bis zu 80% der Bäume erfroren. Palmen und einige Gummibaumarten machen einen hoffnungslosen Eindruck. Sämtliche Kakteen in meinen Töpfen sind zu einer glibberigen, toten Masse zerschmolzen. - Pinios Delta: In unserem scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die illegale Jagd im Pinios Delta ist eine positive Wende eingetreten. Unser Einsatz im vergangenem Jahr (s. Jahresbericht 2001) hat, für uns unerwartet, größere Kreise gezogen. Wie ihr euch vielleicht erinnert, war der Polizeihauptmann von Stomio unser Hauptproblem. Sein bevorzugtes Jagdgebiet war das Pinios Delta. "Und wenn selbst der Gesetzeshüter dort jagt, kann es nicht verboten sein". Da wir Angst hatten, erneut von den Jägern mit Schrot beschossen zu werden, bat ich Elisabeth vom Verband "for animals" aus Österreich um Hilfe. Elisabeth hilft uns immer dann weiter, wenn es für uns zu brenzlig wird. Mit Lianas Hilfe setzte ich ein Schreiben in griechisch auf, dem ich eine Karte beifügte, welche klar und deutlich das Pinios Delta als Natura 2000 Schutzgebiet ausweist. Ich drohte dem Herrn mit einer EU Klage. Diese Schreiben schickte ich nach Österreich, wo es mit dem Briefkopf von "for animals" versehen wurde. Elisabeth schickte den Brief dann an die Polizeistation in Stomio - umständlich aber wirkungsvoll, und für uns sicherer! Was dann passierte, kann ich l e i d e r nicht nachvollziehen. Irgendwie muss da was an die Öffentlichkeit durchgesickert sein - ein griechisches Fernsehteam war plötzlich zur Stelle und filmte die illegale Jagd an den beiden Flüssen Pierias, was auch gesendet wurde. Seitdem herrscht Ruhe im Delta! Allerdings reicht mir diese Ruhe noch nicht ganz. Ich möchte erreichen, dass dort Hinweisschilder aufgestellt werden, denn in Griechenland darf jeder Jäger überall jagen. Wenn Ortsfremde hier erscheinen, und den Polizeichefkrimi nicht kennen, fängt alles wieder von vorne an. Leider ist es mir bis jetzt nicht gelungen, den Fuß in die Tür der EU zu stellen - mein zuständiger Sachbearbeiter bei der EU ist Grieche - und der blockt ab. Herr Tönnis vom "Komitee gegen den Vogelmord e.V." hat mir jedoch seine Hilfe angeboten. Seine Kontakte nach Brüssel sind umfangreicher. So; dat hammer afjeklüngelt, dat wor dr Verzell vun jestern ! Übersetzung im Wörterbuch: Köllsch/Deutsch - Deutsch/Köllsch. Der lange und harte Winter hat große
Verzögerungen beim Aufbau der Tierpflegestation hervorgerufen. Zum
Glück habe ich einer "Inneren Eingabe folgend schon vor der
großen Kälte das Gehege für die Schildkrötennachzuchten
gebaut. Das Gehege ist etwa 70 qm groß - oben und an den Seiten mit
Maschendraht versehen. Diese aufwendige Bauart ist hier in der Wildnis
dringend notwendig.
Wer sich jetzt von euch fragt, wieso ich so endlose Briefe tippe, obwohl andere Arbeiten viel wichtiger sind - es regnet seit zwei Tagen wie aus Eimern! So; dieses Unwetter haben wir auch überlebt
- Überschwemmungen, Bergrutsch,
Nun sollte ich aber endlich mal von "Meiner
Wildnis" berichten: Das Gelände liegt am Kato Olympus (Niederer Olymp),
ist 4.200 qm groß, nach Osten geneigt und 4 km vom Meer entfernt.
Die nächsten menschlichen Behausungen sind etwa 2 km entfernt. Der
größte Teil des Geländes ist mit Oliven und Wein bepflanzt.
Leider müssen einige Weinreben den Tiergehegen weichen. Ein kleines,
etwa 50 qm großes Häuschen - die obere Etage wird gerade ausgebaut
- war Bestandteil des Geländes.
1. Ein etwa 300qm großes Gehege
für T. marginata mit Eiablageplätzen. Das Gehege wird ringsum
mit einem Betonsockel versehen und eingezäunt. Die Bewässerungsanlage
liegt bereits. Ziel sind 200 Nachzuchten. Die Auswilderung der Jungtiere
erfolgt im Ossa Gebirge. Dort sind zwei sehr stake Populationen durch Buschbrände
ausgelöscht worden. Das Zuwandern aus einer nur 1,5 km entfernten,
ebenfalls sehr starken Population - hier
Ich kann nur hoffen, dass die Spenden nicht ausbleiben! Ganz Aktuell:
Am 4. Mai,
zum griechischen Osterfest startet die zweite Exkursion.
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