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Halbjahresbericht Frühling 2002 von Bernd Pitzer
Liebe Paten, Helfer und Spender,  
es ist an der Zeit, euch über die Ereignisse der vergangenen Monate zu informieren - vieles ist passiert! Der Jahrhundertwinter liegt nun sechs Wochen hinter uns und hat seine Spuren hinterlassen.   
Temperaturen von - 12° C an der Küste, und bis zu - 22° C in einigen Schildkrötenhabitaten im Ossagebirge, bereiteten mir große Sorgen. Die enormen Schneemassen waren bereits weggetaut, als die große Kälte kam. Die zuvor schützende und isolierende Schneedecke war verschwunden.   
Da speziell die T. marginata in unserer Region keine durchgehende Winterruhe hält, sondern schon bei Temperaturen um  + 8° C ihr Versteck verlässt, sieht sie sich auch nicht veranlasst, tiefe frostfreie Ruheplätze aufzusuchen oder anzulegen. Ein dichter Strauch, ein kleiner Laubhaufen oder zwei Zentimeter Erde über dem Panzer, scheint den Tieren zu genügen. Die Kälte kam plötzlich über Nacht!  Ich rechnete mit großen Verlusten bei unseren Tieren und kontrollierte ihren Ruheplatz. Nur von ein paar Zweigen bedeckt fand ich einige Marginatas, die von dünnem Eis überzogen, an der Erde festgefroren waren. Das Thermometer zeigte - 12° C am Boden! Das war am 6. Januar. Am 19. Januar bereits lagen die drei Tiere bei + 8° C in der Sonne und am 28. Januar konnte ich die ersten Paarungsversuche beobachten!  
Meine Sorgen sind seit dem 8. März völlig verflogen, denn an diesem Tag ist FINO bei 24°C aus seinem Versteck gekommen - völlig verschlammt aber fit. Damit haben alle  
Pflegefälle den harten Winter überstanden. Die Nachzuchten von 2001 dagegen sind noch in tiefer Erde vergraben. Dort werden sie, je nach Wetterlage bis Anfang April bleiben.  
In der Landwirtschaft sieht die Situation leider nicht so rosig aus. In vielen Olivenplantagen sind bis zu 80% der Bäume erfroren. Palmen und einige Gummibaumarten machen einen hoffnungslosen Eindruck. Sämtliche Kakteen in meinen Töpfen sind zu einer glibberigen, toten Masse zerschmolzen.  
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Pinios Delta:  
In unserem scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die illegale Jagd im Pinios Delta ist eine positive Wende eingetreten. Unser Einsatz im vergangenem Jahr (s. Jahresbericht 2001) hat, für uns unerwartet, größere Kreise gezogen.  
Wie ihr euch vielleicht erinnert, war der Polizeihauptmann von Stomio unser Hauptproblem. Sein bevorzugtes Jagdgebiet war das Pinios Delta. "Und wenn selbst der Gesetzeshüter dort jagt, kann es nicht verboten sein". Da wir Angst hatten, erneut von den Jägern mit Schrot beschossen zu werden, bat ich Elisabeth vom Verband "for animals" aus Österreich um Hilfe. Elisabeth hilft uns immer dann weiter, wenn es für uns zu brenzlig wird. Mit Lianas Hilfe setzte ich ein Schreiben in griechisch auf, dem ich eine Karte  
beifügte, welche klar und deutlich das Pinios Delta als Natura 2000 Schutzgebiet ausweist. Ich drohte dem Herrn mit einer EU Klage. Diese Schreiben schickte ich nach Österreich, wo es mit dem Briefkopf von "for animals" versehen wurde. Elisabeth schickte den Brief dann an die Polizeistation in Stomio - umständlich aber wirkungsvoll, und für uns sicherer!  
Was dann passierte, kann ich  l e i d e r  nicht nachvollziehen. Irgendwie muss da was an die Öffentlichkeit durchgesickert sein - ein griechisches Fernsehteam war plötzlich zur Stelle und filmte die illegale Jagd an den beiden Flüssen Pierias, was auch gesendet wurde. Seitdem herrscht Ruhe im Delta!  Allerdings reicht mir diese Ruhe noch nicht ganz. Ich möchte erreichen, dass dort Hinweisschilder aufgestellt werden, denn in Griechenland darf jeder Jäger überall jagen. Wenn Ortsfremde hier erscheinen, und den Polizeichefkrimi nicht kennen, fängt alles wieder von vorne an.  
Leider ist es mir bis jetzt nicht gelungen, den Fuß in die Tür der EU zu stellen - mein zuständiger Sachbearbeiter bei der EU ist Grieche - und der blockt ab. Herr Tönnis vom "Komitee gegen den Vogelmord e.V." hat mir jedoch seine Hilfe angeboten. Seine Kontakte nach Brüssel sind umfangreicher.   
So; dat hammer afjeklüngelt, dat wor dr Verzell vun jestern !  Übersetzung  
im Wörterbuch: Köllsch/Deutsch - Deutsch/Köllsch.  

Der lange und harte Winter hat große Verzögerungen beim Aufbau der Tierpflegestation hervorgerufen. Zum Glück habe ich einer "Inneren Eingabe  folgend schon vor der großen Kälte das Gehege für die Schildkrötennachzuchten gebaut. Das Gehege ist etwa 70 qm groß - oben und an den Seiten mit Maschendraht versehen. Diese aufwendige Bauart ist hier in der Wildnis dringend notwendig.  
Den "Luftraum" des gesamten Geheges nutzt zur Zeit der UHU. Diesen Vogel fand ich am 5. Januar mit angeschossenem Flügel. Nach einer kritischen Pilzinfektion hat er sich prächtig erholt, und kann seinen einst lahmgelegten Flügel beim Flug wieder einsetzten. In Ruhestellung jedoch, hängt der Flügel noch etwas. Nach Rücksprache mit Frau Dr. Mercier aus Mayen, sollte der Vogel bis zur entgültigen Heilung ( Prellungen und Blutergüsse sind genauso schmerzhaft und der Heilungsprozess dauert ebenso lange wie ein Bruch ) noch gepflegt werden. Der Boden des Geheges wird von den Schildkröten- Pflegefällen besiedelt.  
In einem separat eingezäunten Teil "wächst" des Futter für den UHU nach - Hühnerküken!  
Und in einem zweiten abgeteilten kleinen Gehege befinden sich drei Igel, die ich aus "Menschlichen Haushalten" erlöst habe. Die Tiere wurden völlig falsch ernährt - befanden sich in einem erbärmlichen Zustand - Zwangsernährung war notwendig. Was bei Schildkröten schon nicht einfach ist, gestaltete sich bei den Igeln noch um einiges schwieriger.  

Wer sich jetzt von euch fragt, wieso ich so endlose Briefe tippe, obwohl andere Arbeiten viel wichtiger sind - es regnet seit zwei Tagen wie aus Eimern!  

So; dieses Unwetter haben wir auch überlebt - Überschwemmungen, Bergrutsch,  
unpassierbare Wege - was kann jetzt noch kommen?! Ich dachte, dass die beiden Wochen, in denen ich in "Meiner Wildnis" völlig eingeschneit und von der Zivilisation abgeschnitten war, wären Prüfung genug - dieser Winter kennt nur Extreme! Mein kleines Büro im Tal, welches ich vorübergehend gemietet habe, wo Telefon und Computer stehen, wurde gestern vom Regen geflutet. Zum Glück war ich gerade unten, und konnte schnell zwei Ziegelsteine unter den Computer stellen, bevor er "ertrinken" konnte. Das Modem hat´s jedoch erwischt!  

Nun sollte ich aber endlich mal von "Meiner Wildnis" berichten: Das Gelände liegt am Kato Olympus (Niederer Olymp), ist 4.200 qm groß, nach Osten geneigt und 4 km vom Meer entfernt. Die nächsten menschlichen Behausungen sind etwa 2 km entfernt. Der größte Teil des Geländes ist mit Oliven und Wein bepflanzt. Leider müssen einige Weinreben den Tiergehegen weichen. Ein kleines, etwa 50 qm großes Häuschen - die obere Etage wird gerade ausgebaut - war Bestandteil des Geländes.  
Leider gibt es hier weder Strom noch Telefon. Eine kleine Solaranlage liefert uns seit Dezember die nötige Energie für Licht und eine kleine Kühlbox - damit kann ich zur Zeit gut leben. Telefon; und somit der Zugang zum Internet ist ein größeres Problem. Dummerweise liegt das Gelände im Funkschatten der Handy- Antennen - der Empfang ist nur an bestimmten Ecken des Geländes möglich. Eine Telefonleitung wurde mit 3.000 EURO veranschlagt. Mein Hilferuf an Freiwillige Helfer hat Früchte getragen. Dr. Fritz (Schildkrötenspezialist) vom Institut Dresden, den ich vergangenes Jahr aufgesucht hatte, sorgte für einen Aushang an der FH Eberswalde. Am 15. März treffen hier zwei Studenten ein, die ihr Praxissemester (18 Wochen) bei uns absolvieren. Weitere Freiwillige, die beim Aufbau der Tierpflegestation helfen wollen, haben sich angemeldet.  
Bei so vielen Helfern sollten folgende Arbeiten in diesem Jahr abgeschlossen werden können:  

1. Ein etwa 300qm großes Gehege für T. marginata mit Eiablageplätzen. Das Gehege wird ringsum mit einem Betonsockel versehen und eingezäunt. Die Bewässerungsanlage liegt bereits. Ziel sind 200 Nachzuchten. Die Auswilderung der Jungtiere erfolgt im Ossa Gebirge. Dort sind zwei sehr stake Populationen durch Buschbrände ausgelöscht worden. Das Zuwandern aus einer nur 1,5 km entfernten, ebenfalls sehr starken Population - hier  
entnehmen wir die adulten Tiere zur kontrollierten Eiablage - wird durch die neue Autobahn- und Eisenbahntrasse verhindert.  
2. Bau einer Brutanlage, die auch zuverlässig ohne Strom funktioniert.  
3. Bau mehrerer kleiner Gehege für kranke und verletzte Tiere.  
4. Erstellung eines Behandlungsraums, der im Winter beheizbar ist. Hier werden schwerere Fälle in ungezieferdichten Terrarien behandelt.  
5. Bau einer weiteren sanitären Anlage, die nur für die Tiere verwendet wird.  
6. Bau einer Freiflugvollere für "Pechvögel". Geplante Größe: 25 x 7 x 6m.  
7. Besucherfreundliche Gestaltung eines Teils des Geländes, um  
Schulklassen - wir haben schon Anmeldungen - Zutritt zu gewähren.  

Ich kann nur hoffen, dass die Spenden nicht ausbleiben!  

Ganz Aktuell:  
Am 29. März beginnen wir mit der ersten Schildkröten- Exkursion in diesem Jahr.  

Am 4. Mai, zum griechischen Osterfest startet die zweite Exkursion.   
Unser Exkursionsprogramm ist um den Besuch am Axios River erweitert worden.  
Hier erwarten uns Wildpferde, Pelikane, Flamingos und vieles mehr. 

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