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Liebe Schildkrötenfreunde,
Jahresbericht 2001 - O AETOS Griechenland Seite 1Platamon 19.08.2001 SCHILDKRÖTEN: 1. Griechische Landschildkröte.30 Nachzuchten der Griechischen Landschildkröte vom vergangenem Jahr, konnten im Frühsommer ausgewildert werden. Zur Auswilderung wurde ein ehemaliges Waldbrandgebiet gewählt. Hier war die Population erloschen. Die restlichen 38 Tiere werden im Spätherbst in die Natur entlassen. 2. Breitrand Schildkröte.15 Weibchen der Breitrand Schildkröte wurden der Natur, zur Eiablage in unserem Gehege entnommen. Durch die verheerenden Busch- und Waldbrände der vergangenen zwei Jahre, ist die Populationsstärke derart zurückgegangen, dass wir keine weiteren Tiere mehr fanden. Unser Soll, in diesem Jahr 200 Tiere dieser sehr gefährdeten Art nachzuzüchten, kann leider nicht erfüllt werden. Wir müssen uns mit etwa 80 Jungtieren abfinden. Bis zum heutigem Tag sind 33 Tiere geschlüpft. 32 Nachzuchten von vergangenem Jahr werden im Spätherbst ausgewildert. 3. Umsiedelaktion in NEU PORI.Neu Pori ist ein rein touristischer Ort, südlich unseres Standortes gelegen. Neue Hotelkomplexe werden alljährlich errichtet - der Lebensraum am Rande der Sumpfgebiete wird immer enger. Die Schildkrötenpopulation wurde durch die Baumaßnahmen auf engsten Raum verwiesen. Im Süden wird ihr Gebiet von einem Fluss begrenzt, im Westen bilden die Sümpfe, Autobahn und Bahnlinie eine unüberwindliche Barriere, in Norden verhindern die Baumaßnahmen die Flucht und im Osten ist das Meer. Es konnten bis jetzt etwa 60 Tiere in die Berge umgesiedelt werden. Die Aktion ist noch nicht abgeschlossen, da die Tiere zur Zeit eine Sommerruhe halten. 4. Krankenstation.Neun Schildkröten konnten als geheilt aus unserem Lazarett entlassen werden. Zum größten Teil handelte es sich um Verletzungen durch Baumaschinen. Weitere sechs Tiere erhalten im Spätherbst ihre Freiheit. Die restlichen 10 Tiere müssen zum Teil noch einige Jahre bei uns bleiben. Es handelt sich meistens um Brand- und Unfallverletzungen. --- Bernd besuchte im Frühjahr, bei seinem Deutschlandaufenthalt das Zoologische Institut in Dresden, wo er mit Dr. Fritz reichlich Erfahrungen über Schildkröten austauschen konnte. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut ist im Gange. 5. Caretta caretta.Der Verkauf von Schildkrötenpräparaten in den “Souvenir- Supermärkten” in Neu Pori und Nafplio konnte durch Anzeigen bei den zuständigen Behörden unterbunden werden. 6. PR - Arbeit.Im Juni wurde ein Kurzbeitrag über unser Projekt im SWR 3 gezeigt. Das Kamerateam drehte den Film im April 2001 bei uns. Das Kamerateam vom NDR 3 drehte ebenfalls einen Film über die Griechische Landschildkröte. In diesem Streifen wird auch unser Projekt behandelt. Der voraussichtliche Sendetermin ist für den Winter 2001 / 2002 angegeben. Jahresbericht 2001 - O AETOS Griechenland Seite 2Platamon 20.08.2001 VOGELJAGD IN GRIECHENLAND:1. Auf unseren Kontrollfahrten im Naturschutzgebiet PINIOS DELTA, überreichten wir in der vergangenen Jagdsaison den Jägern selbstgedruckte Flugblätter. Der Text weist die Jäger auf die bestehenden Gesetzte hin. Mit einem zweiten Exemplar dieses Handzettels werden Jäger angesprochen, die in öffentlichen Jagdgebieten jagen. Hier erfährt der Jäger, welche Einschränkungen auch hier gelten. Die Reaktionen der Jäger bei unserem Erscheinen sind recht unterschiedlich. Von Ignoranz bis zum: “das wusste ich nicht” ist alles vertreten. Der Ausnahmefall: Man bedrohte uns mit zwei Jagdwaffen. --- 2. Im März konnten wir einen Jäger stellen, der im Schutzgebiet ( Natura 2000 ) Enten schoss. Um unsere Flugzettelaktion zu unterstreichen, wurde der Jäger angezeigt. Dieses Unterfangen war allerdings sehr schwierig. Keine Polizeidienststelle wollte den Fall aufnehmen. Als wir beim dritten Anlauf mit der EU drohten, war der Beamte endlich zu bewegen. Allerdings wollte jener nur eine Verwarnung gegen den Jäger aussprechen - “Bei einer Anzeige müssten wir mit Repressalien gegen unsere Familie rechnen” - wollte er uns einschüchtern ! Wir bestanden auf eine Anzeige und machten eine Pressemitteilung incl. Foto des Jägers in der Olymp Zeitung. Der Angezeigte wohnt in Stomio. Der Ort liegt unmittelbar an der Grenze zum Schutzgebiet. --- 3. Eine Polizeiaktion wurde gestartet, als ein Jäger etwa 50 m von unserem Garten entfernt auf Vögel schoss, sodass das Schrot seiner Flinte gegen unsere Fensterscheiben prasselte. Allerdings waren die Polizeibeamten nicht gewillt den flüchtigen Jäger zu verfolgen. Die Wirkung jedoch blieb nicht aus. Seit diesem Tag trafen wir keine Jäger mehr in unserer Nähe an. --- 4. 20. August 2001- Eröffnung der Jagdsaison in Griechenland ! Unser Kontrollgang im Schutzgebiet war sehr ernüchternd. Etwa 15 Jäger waren damit beschäftigt, alles niederzuschießen was sich im Delta bewegte. Unser Hinweis auf das Jagdverbot im Schutzgebiet wurde mit unzähligen Gewehrsalven beantwortet - unsere Bitte, die Jagd einzustellen wurde ignoriert. Per Telefon benachrichtigten wir die Forstaufseher und die zuständige Polizei, die sich der Sache sofort annehmen wollten - es geschah jedoch nichts. Als wir nach etwa zwei Stunden zum Schutzgebiet zurückkehrten, trafen wir erneut auf zwei Jäger. Wir überreichten unseren Handzettel, auf dem auch die Gesetzes- und Registriernummer vom Schutzgebiet vermerkt ist. Daraufhin eröffneten die Jäger das Feuer. Sie schossen unmittelbar über unsere Köpfe in die Bäume und drängten uns so aus dem Auwald. Per Funktelefon forderten sie Verstärkung an. Uns wurde die Auseinandersetzung zu heikel und wir wollten das Flussdelta verlassen. Der einzige Zufahrtsweg zu diesem Gelände wurde jedoch von zwei Fahrzeugen der Jäger versperrt, eines der Fahrzeuge hatte uns kurz zuvor mit abenteuerlich Fahrstiel überholt. Auf diese Art wurden wir etwa 20 Minuten an der Weiterfahrt gehindert. Die wilden Diskussionen ergaben folgendes: --- 4.1 Allmorgendlich befinden sich etwa 100 Jäger in diesem Gebiet, die alle davon überzeugt sind, dass es hier kein Jagdverbot gibt. --- 4.2 Der Polizeihauptmann von Stomio (Dieser Ort grenzt unmittelbar an das Schutzgebiet) jagt selbst in diesem Gebiet. --- 4.3 Gegen den, von uns im Frühjahr angezeigte Jäger aus Stomio wurde nichts unternommen. Die Anzeige wurde augenscheinlich in den Papierkorb geworfen ! Jahresbericht 2001 - O AETOS Griechenland Seite 3Platamon 22.08.2001 VOGELJAGD IN GRIECHENLAND:5. Um uns aus der misslichen Lage zu befreien - es wäre beinahe zu Handgreiflichkeiten gekommen - riefen wir einen Freund übers Funktelefon an, der sich den Jägern gegenüber, am Telefon als Polizei aus Platamon ausgab und diese verwarnte. Daraufhin wurde der Fahrweg geräumt und wir konnten passieren. --- 6. Geheilter Sperber. Im Januar fand Bernd, bei der Verfolgung eines Jägers einen angeschossenen Sperber. Glücklicherweise war nur ein Flügel von einigen Schrotkugeln durchschossen. Die “Rehastation” für Vögel “ in Thessaloniki wurde benachrichtigt. Die dortigen “Tierpfleger” waren nicht gewillt, den Vogel bei uns abzuholen. Man gab uns den Auftrag, den Sperber in einem Karton verpackt zur nächsten Bushaltestelle zu bringen. Der Busfahrer sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass niemand schwere Koffer, im Laderaum des Busses, auf den Karton legt. Wir glaubten zuerst an einen Scherz ! Uns war klar, dass dieser Transport eines so sensiblen Tieres nicht gut gehen konnte. Wir waren daher bereit, das Tier bis zum Stadtrand von Thessaloniki zu bringen. Hier sollte dann der Vogel übergeben werden. Jedoch war auch dieser Aufwand den “Tierpflegern” zu groß. Wir entschlossen die Heilung des Sperbers selbst in die Hand zunehmen. Wir hatten zu diesen “Tierpflegern” kein Vertrauen mehr. Mit fachkundigen Ratschlägen per Telefon und e-mail von Frau Dr. Eggenschwiler und Frau Dr. Taubert - beide aus der Schweiz - konnte der Sperber nach etwa zwei Monaten wieder ausgewildert werden. --- Bernd besuchte bei seinem Deutschlandaufenthalt eine Tierklinik in Mayen, wo man ihm die wichtigsten Heilungs- und Behandlungsmethoden bei Vogelverletzungen beibrachte. Es wurden ihm auch selbstlos Medikamente und Gerätschaften zur Pflege verletzter Tiere mitgegeben. --- 7. Im Mai des Jahres kauften wir einen alten Toyota Geländewagen, der in fünfwöchiger Kleinarbeit von uns wieder hergerichtet wurde. Endlich sind wir der gut motorisierten Jägerschaft nicht mehr unterlegen. Jahresbericht 2001 - O AETOS Griechenland Seite 4Platamon 22.08.2001 DAS PINIOS DELTADer Pinios: Die Quellflüsse des Pinios entspringen allesamt im Pindosgebirge. Ab Kalambaka, wo die berühmten Meteora- Klöster liegen, beginnt der leidvolle Weg dieses Flusses. Die Tiefebene von Tessalien besteht zum größten Teil aus Monokulturen der Baumwolle und Mais. Die zur Bewässerung der Kulturen entnommenen Wassermengen lassen den Fluss in der Nähe der Stadt Larissa fast zu einem Rinnsal schrumpfen. Der eingeschwemmten Kunstdünger und die Abwässer einer Stadt, machen den Fluss zur Kloake. Etwa 10 km östlich von Larissa trocknet der Fluss regelmäßig in den Sommermonaten aus - zum Glück - --- Die Tempischlucht: Ein tiefes Canyon trennt das Olympmassiv vom Ossagebirge. Zahlreiche ergiebige Quellen füllen das ausgetrocknete Flussbett mit bester Wasserqualität. Der Pinios verlässt die Tempischlucht und bildet ein weitverzweigtes Delta. In den klaren Gewässern leben Süßwassermuscheln und Krebse, der Fischreichtum ist groß. --- Das Pinios Delta: Das einst ca. 20 Quadratkilometer große Schwemmland des Pinios wurde in den vergangenen zwei Jahrhunderten trockengelegt, das Wasser kanalisiert. Wo einst Sümpfe und Seen lagen, prägen Monokulturen die Landschaft. Der Hauptarm des Flusses ist von einem schmalen Auwald begrenzt und fließt etwa 12 km östlich der Tempischlucht ins Meer. Kleinere Seitenarme des Flusses bilden das heutige Naturschutzgebiet “Pinios Delta“. Wegen der großen Artenvielfalt wurden (leider nur) 72 ha unter Schutz gestellt. --- 1992 verschwanden auf dem Forstamt in Larissa auf mysteriösem Weg der Lageplan des Gebietes und eine wilde, illegale Ferienhäusersiedlung entstand am Strand des Schutzgebietes. Das Gebiet wurde nochmals verkleinert und ist heute mit 37 ha wohl eines der kleinsten Gebiete, die im EU- Programm NATURA 2000 aufgenommen wurden. --- Das Pinios Delta ist Rückzugsgebiet für bedrohte Vogelarten und Wintergäste. Weiterhin ein wichtiger Zwischenstop für Zugvögel. Bei unserem ersten Besuch (1991) war das Gebiet die Heimat unzähliger Wasservögel. Sämtliche Reiherarten die in Griechenland vorkommen, waren in großer Zahl vorhanden. Weißstörche nisteten überall in den umliegenden Dörfern. Schwarzstörche, Adler und Gänsegeier waren ständige Gäste aus den Schluchten des Ossagebirges und des Olymps. --- In Griechenland wurde alleine 1999 40.000 neue Jagdscheine vergeben. Das Pinios Delta ist das beliebteste Jagdgebiet von Larissa und Umgebung. Eine sofortiges Jagdverbot im Schutzgebiet könnte den alten Artenreichtum wiederherstellen. Ebenfalls ist eine Überwachung des einzigartigen Auwaldes von Nöten. Illegal werden die Bäume derart mit Kettensägen angesägt, dass sie nach ein- bis zwei Jahren absterben. Das gewonnene Holz wird im Winter verheizt ! --- Das Pinios Delta ist außerdem der Lebensraum vieler Reptilien und Amphibien. Einzigartig in Europa ist das große Vorkommen der Griechischen Landschildkröte. Nach vorsichtigen Schätzungen leben dort etwa 1.500 Tiere. Allein im vergangenem Jahr konnten wir über 500 Tiere dieser Art markieren. Ebenfalls ist die Anzahl der Europäischen- und Kaspischen Wasserschildkröte enorm. --- Was wäre zur Rettung des Schutzgebietes zu tun: 1. JagdverbotJahresbericht 2001 - O AETOS Griechenland Seite 5 Platamon 22.08.2001 DAS PINIOS DELTADer Hauptteil des Naturschutzgebietes ist nach allen Seiten von Wasser eingeschlossen. Meer, Sümpfe und Kanäle machen das Gebiet nur über einen Fahrweg mit einer Furt zugänglich. Die Überwachung wird dadurch sehr vereinfacht. Ein endgültiger und sicherer Schutz des Gebietes könnte wie folgt aussehen: 1. Ankauf von Gelände im Einfahrtsbereich zum Schutzgebiet.Dringend notwendig sind naturkundliche Informationen für die Jugend. Bedenkt man, dass an vielen Oberschulen keine Biologie unterrichtet wird, wundert's nicht, dass dieses Volk so ungeachtet die Natur plündert. Ein Blick in die nahe Zukunft:1. Weiterhin werden wir Schildkröten nachzüchten, wobei wir uns verstärkt auf die Breitrandschildkröte Testudo marginata konzentrieren. 2. Der Ankauf eines Geländes von 4.500 Quadratmetern steht kurz vorm Abschluss. Hier wird die Nachzuchtanlage sowie eine kleine Rehastation für Wildtiere entstehen. Das Gelände wird vom Verkauf unseres alten Hauses finanziert. 3. Verstärkte Kontrollen im Pinios Delta. 4. PR - Arbeit bei der Jugend. 5. ...............und 1000 andere Dinge die so nebenbei anfallen ! |