home
Ein Tag bei den Meteora-Klöstern  
zwischen Himmel und Erde 
...Bilder und Text aus dem Tagebuch von Monika Heinzmann: e-mail 
***********************************************************************************************
Montag, 3. Mai 2004 
 
Es ist erst der zweite Tag unserer Reise, aber ich glaube, es war der Schönste! Ein Wunsch ging in Erfüllung. „Meteora“ heißt das Zauberwort. Vor 2 Jahren bereits hatte ich während unserer Griechenland-Woche angeregt, doch einen Tag lang etwas auf Kultur zu machen und uns die Klöster im Meteora-Tal anzusehen. Nachdem Bernd die „Touristenströme“ dort in den schillerndsten Farben beschrieben hatte, wurde ich demokratisch überstimmt. Ich hatte mich ein bisschen geärgert - oder naja, ich war eben etwas enttäuscht damals. Ich bin wahrscheinlich zu vielseitig interessiert und schließlich war das eine Natur- und Schildkröten-Exkursion. Da passen keine Klöster ins Programm. Heute kann ich sagen, dass Meteora nicht nur für die Klöster, sondern auch für eine außerordentliche Naturlandschaft steht. Monolithberge (oder nennt man das -felsen?), wunderschön zerklüftet mit atemberaubenden Steilwänden und obendrauf eben die Klöster. Keine Frage: da war man früher abgeschieden. Was hat Menschen dazu gebracht, dort zu bauen? Sicher wollten sie näher an Gott sein. Dazu muss man glauben, dass Gott im Himmel wohnt und „Himmel“ mit dem Weltall gleichsetzen. Jedenfalls räumlich. Für mich ist der Himmel Gottes etwas anderes. Aber naja. Das erhebende Gefühl, das ich dort oben verspürt habe, trägt sicher dazu bei, sich Gott näher zu fühlen. 
 
Ungefähr 1 ½ Autostunden von Platamonas - dem Ausgangspunkt der Schildkröten-Exkursionen - entfernt, erreicht man über Larissa und Trikala das Touristendorf. Schon von weitem erkennt man die Umrisse der Meteora-Felsen, die wie Riesen über dem Dorf zu schweben scheinen. Je näher man kommt, umso deutlicher erkennt man die riesigen Felsblöcke, spitzen Türme und Steinnadeln aus Konglomerat-Sandstein. Über eine sehr lange Zeit hat hier die Erosion, Regen und Wind, eine einmalige Landschaft entstehen lassen. 
 

Schon im 11. Jahrhundert gab es fromme Einsiedler, die sich auf den unzugänglichen Felsen und in Höhlen niederließen. Im 14. Jahrhundert wurde dann das erste Kloster gegründet. Bis ins 20. Jahrhundert waren diese Klöster nur mit Seilwinden oder Leitern erreichbar - inzwischen gibt es Brücken und Treppen, über die man relativ komfortabel die restlichen 6 noch bewohnten Klöster erreichen kann. 



Unser erstes Ziel ist das Kloster „Zur heiligen Dreifaltigkeit“. 
 
Wir wollen dort den „Einäugigen Mönch“ besuchen, den Wilf bereits vor einigen Jahren bei einem Besuch in Meteora kennen gelernt hatte. Über einen Weg, der uns erst tief in eine Schlucht zwischen den Felsgiganten führt, klettern wir dann über eine in den Stein geschlagenen Treppe die ca. 250 m nach oben. 

Wir sind ziemlich außer Atem, als wir oben ankommen. Wilf entdeckt Bruder Ionnisos, den „Einäugigen Mönch“, der uns auch sofort in seine „Gute Stube“ einlädt, zum Kaffee trinken. Nach dem anstrengenden Aufstieg ist es eine wahre Wohltat, hier auf den gepolsterten Holzbänken zu sitzen und dem Wind draußen zu lauschen. 

Wir werden mit griechischen Süßigkeiten und sehr starkem Kaffee bewirtet. Die Lebensgeister kehren langsam zurück. Bruder Ionnisos fragt uns in seiner unvergleichlichen Art aus. Sicher kann er diese Konversation in fast allen hier gängigen Sprachen führen: Gesundheit - gut? Familie - gut? Du katholisch? Nein? Protestant? Gut, gut, gut...... 
 
Während dieser Mönch in Griechisch mit den anderen Gästen spricht, kehrte diese Ruhe in mir ein. Durch die Fenster weht der Bergwind in dieses „Wohnzimmer“ und  draußen nichts als Stille. Sicher ist es auch gut, dass ich das Griechische, das gesprochen wird, nicht verstehe - es würde nur ablenken. 
Wir fühlen uns jedenfalls sehr wohl und genießen die sprichwörtliche griechische Gastfreundschaft. Bruder Ionnisos führt uns dann ins Allerheiligste des Klosters: eine sehr alte, winzig kleine Kapelle mit wunderschönen Ikonen. Ich erfahre später, dass diese Ikonen über 700 Jahre alt sind. Wir fühlen die Jahrhunderte in dem kleinen Raum - ich bin so ergriffen, dass ich sogar vergesse, ein Foto zu machen...  Dieses Gefühl wird nur noch verstärkt, als wir dann hinter dem Kloster auf den Felsen hinaustreten und das Dorf Kalambaka und die Pinios Ebene unter uns liegen sehen. 
 
Spätestens jetzt verstehe ich, warum sich hier Mönche angesiedelt haben. Sie waren hier näher bei Gott - eben zwischen Himmel und Erde. 

Unter uns die Schwalben, die Mücken fangen, auch einen Falken sehen wir von oben, über uns der strahlend blaue Himmel. Dies ist mit Sicherheit einer der schönsten Plätze, die ich jemals gesehen habe. Wir bleiben länger als geplant, aber hier scheint die Zeit sowieso keine große Rolle zu spielen. 

Während der Weiterfahrt eröffnen sich immer neue Ansichten dieser beeindruckenden Landschaft - die Fotos sprechen für sich. 
 
 
Wir haben an diesem Tag noch zwei weitere Klöster besucht - nur sehr kurz, da wir so lange bei Bruder Ionnisos waren. Aber der Tag war voll von Eindrücken einer wunderschönen, absolut sehenswerten Landschaft zwischen Himmel und Erde. 
 
 
Wilf, ich danke Dir! 
Du hast mir mit dieser Fahrt zu den Meteora Klöstern 
eine große Freude gemacht. 
Der Tag war außergewöhnlich und die Menschen, 
die ich getroffen habe, waren außergewöhnlich. 
Das war deine beste Idee des Jahrhunderts. ;-) 
 
home