| Montag, 3. Mai 2004
- Es ist erst der zweite Tag unserer Reise, aber ich glaube, es war der Schönste! Ein Wunsch ging in Erfüllung. „Meteora“ heißt das Zauberwort. Vor 2 Jahren bereits hatte ich während unserer Griechenland-Woche angeregt, doch einen Tag lang etwas auf Kultur zu machen und uns die Klöster im Meteora-Tal anzusehen. Nachdem Bernd die „Touristenströme“ dort in den schillerndsten Farben beschrieben hatte, wurde ich demokratisch überstimmt. Ich hatte mich ein bisschen geärgert - oder naja, ich war eben etwas enttäuscht damals. Ich bin wahrscheinlich zu vielseitig interessiert und schließlich war das eine Natur- und Schildkröten-Exkursion. Da passen keine Klöster ins Programm. Heute kann ich sagen, dass Meteora nicht nur für die Klöster, sondern auch für eine außerordentliche Naturlandschaft steht. Monolithberge (oder nennt man das -felsen?), wunderschön zerklüftet mit atemberaubenden Steilwänden und obendrauf eben die Klöster. Keine Frage: da war man früher abgeschieden. Was hat Menschen dazu gebracht, dort zu bauen? Sicher wollten sie näher an Gott sein. Dazu muss man glauben, dass Gott im Himmel wohnt und „Himmel“ mit dem Weltall gleichsetzen. Jedenfalls räumlich. Für mich ist der Himmel Gottes etwas anderes. Aber naja. Das erhebende Gefühl, das ich dort oben verspürt habe, trägt sicher dazu bei, sich Gott näher zu fühlen.
Schon im 11. Jahrhundert gab es fromme Einsiedler, die sich auf den unzugänglichen Felsen und in Höhlen niederließen. Im 14. Jahrhundert wurde dann das erste Kloster gegründet. Bis ins 20. Jahrhundert waren diese Klöster nur mit Seilwinden oder Leitern erreichbar - inzwischen gibt es Brücken und Treppen, über die man relativ komfortabel die restlichen 6 noch bewohnten Klöster erreichen kann. ![]() Unser erstes Ziel ist das Kloster „Zur heiligen Dreifaltigkeit“.
![]() Wir sind ziemlich außer Atem, als wir oben ankommen. Wilf entdeckt Bruder Ionnisos, den „Einäugigen Mönch“, der uns auch sofort in seine „Gute Stube“ einlädt, zum Kaffee trinken. Nach dem anstrengenden Aufstieg ist es eine wahre Wohltat, hier auf den gepolsterten Holzbänken zu sitzen und dem Wind draußen zu lauschen. ![]() Wir werden mit griechischen Süßigkeiten und sehr starkem Kaffee bewirtet. Die Lebensgeister kehren langsam zurück. Bruder Ionnisos fragt uns in seiner unvergleichlichen Art aus. Sicher kann er diese Konversation in fast allen hier gängigen Sprachen führen: Gesundheit - gut? Familie - gut? Du katholisch? Nein? Protestant? Gut, gut, gut......
Wir fühlen uns jedenfalls sehr wohl und genießen die sprichwörtliche griechische Gastfreundschaft. Bruder Ionnisos führt uns dann ins Allerheiligste des Klosters: eine sehr alte, winzig kleine Kapelle mit wunderschönen Ikonen. Ich erfahre später, dass diese Ikonen über 700 Jahre alt sind. Wir fühlen die Jahrhunderte in dem kleinen Raum - ich bin so ergriffen, dass ich sogar vergesse, ein Foto zu machen... Dieses Gefühl wird nur noch verstärkt, als wir dann hinter dem Kloster auf den Felsen hinaustreten und das Dorf Kalambaka und die Pinios Ebene unter uns liegen sehen.
![]() Unter uns die Schwalben, die Mücken fangen, auch einen Falken sehen wir von oben, über uns der strahlend blaue Himmel. Dies ist mit Sicherheit einer der schönsten Plätze, die ich jemals gesehen habe. Wir bleiben länger als geplant, aber hier scheint die Zeit sowieso keine große Rolle zu spielen. ![]() Während der Weiterfahrt eröffnen sich immer neue Ansichten dieser beeindruckenden Landschaft - die Fotos sprechen für sich.
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