Chamaeleo africanus
Schutzprojekt zur Erhaltung einer vom Aussterben bedrohten Reptilienart 
Chamäleonseite von Benny Trapp: hier! 
 
- Beschreibung der Art   
- Jahresaktivitäten   
- Problematik (Anwohner, Tourismus, Fänger, Feinde, Lebensraum, Lebensalter, Inzucht)   
- Natürliche Feinde   
- Ansichten   
- Durchführung erster Hilfsmaßnahmen   
- Weitere Planung   

Beschreibung der Art   
Bei Chamaeleo africanus handelt es sich um eine mittelgroße Chamäleonart, die sich vom Europäischen Chamäleon Camaeleo chamaeleon vor allem durch die helmartige Aufwölbung auf dem Kopf unterscheidet. Die Männchen tragen von Geburt an kurze Sporne an den Fersen der Hintergliedmaßen. Die Weibchen fallen, in der Phase ihrer Schwangerschaft, durch leuchtend türkis– zitronengelb gestreifte oder gefleckte Grundfarbe mit orangen Flankenflecken auf. Die durch Störung hervorgerufene Stressfärbung variiert stark, besteht aber häufig aus hellgelben, kleinen Flecken auf graugrünem Grund.   

Jahresaktivität   
In den Monaten September und Oktober schlüpfen die Jungtiere nach einer Inkubationszeit von etwa 11 Monaten aus dem Ei. Nachdem sie sich aus ca. 30 cm Tiefe an die Oberfläche des lockeren Sandbodens gegraben haben, wird sofort der nächste Ast oder Grashalm aufgesucht, um daran empor zu klettern. Die Tiere messen zu diesem Zeitpunkt etwa 55 mm und wiegen zwischen 90 und 120 mg. Ihre Nahrung besteht in den ersten Wochen vornehmlich aus kleinen Spinnen und Mücken. Magen- und Darmuntersuchungen ergaben, dass sie mit zunehmender Größe in erster Linie Wespen und Grillenartige verzehren, die sie in ihren Tagesverstecken, den Tamarisken und Schilfbeständen, also eher niedrigen Aufenthaltsorten, aber auch in bis über 15 m hohen Bäumen erbeuten. In den Wintermonaten, bei Temperaturen zwischen 6 und 15°C und Nachttemperaturen zwischen selten 0 und 10° C, stellen die Tiere für einige Wochen jegliche Aktivität ein, werden aber oft an den gleichen Fundorten angetroffen wie im Sommer. Erst im zeitigen Frühjahr gehen sie wieder auf Jagd und erreichen noch im gleichen Jahr die Geschlechtsreife. Die Paarungszeit beginnt Anfang August und endet im Laufe des Septembers. Die sonst eher standorttreuen Tiere beginnen nun sich auf die Partnersuche zu begeben und legen auf ihren Wanderungen teilweise Strecken von mehreren hundert Metern pro Tag zurück. Die Ablage der durchschnittlich 40 Eier ( zwischen 20 und 90, abhängig von Alter und Größe des Muttertieres) erfolgt in den Monaten September und Oktober. Die Lebenserwartung liegt bei maximal drei Jahren. Über 70% überleben den ersten Winter jedoch nicht.   

Zusammenbruch der Population   
Seit ihrer gezielten Erfassung unterliegt der Tierbestand innerhalb der Population ständigem Wandel. In die folgende Zählung, die jährlich während der Fortpflanzungzeit stattfindet, wurden ausschließlich ausgewachsene Tiere aufgenommen.   
1997: 271   
1998: 350   
2000: 311   
2001: 450   
2002:  59 !   

Die Ursache des plötzlichen Zusammenbruchs scheint bislang leider noch nicht ausreichend geklärt.   

Eine Fläche von ca. 4.000 m X 300 m bildet den einzigen Lebensraum von Chamaeleo africanus auf dem Griechischen Festland und somit in ganz Europa. Ein Sandstrand mit anschließender Dünenlandschaft bietet die einzige Eiablagemöglichkeit. Eine weitere Ausbreitung ist durch die umliegende Bewirtschaftung der Felder, sowie durch Dörfer und Städte nicht gewährleistet. Des Weiteren bilden Steilküste und Berge eine natürliche Barriere, die der Art eine eigenständige Erweiterung des Lebensraumes unmöglich macht.   

Im folgenden seien Faktoren genannt, die ohnehin bereits längerfristig den Fortbestand der Tiere bedrohen und in ihrer Kombination für die derzeitige Situation verantwortlich zu machen sind.   



1.   
Die mäßige Nutzung des Lebensraums durch Badetourismus war für das Überleben der Reptilien bislang nicht weiter bedrohlich. Der Bau einer neuen Asphaltstraße durch das Gebiet und bewusste Fehlleitung der Touristenströme durch falsch platzierte Beschilderung, führt dagegen seit Fertigstellung jedes Jahr zu enormen Verlusten durch überfahrene Tiere.   
So werden unzählige Autofahrer, zum Nutzen einzelner Geschäftsbetreiber, durch die falsche Beschilderung zu einem „Traumstrand“ geführt, der von hier aus in Wirklichkeit gar nicht mit dem Auto zu erreichen ist. Versuche die Schilder auf offiziellem Wege entfernen zu lassen, stießen bei den zuständigen Behörden auf taube Ohren - profitiert doch am Ende der Straße eine primitive Bar von der Irreleitung der Urlauber. Da Toiletten fehlen, sind die Gäste dieser Bar zudem gezwungen, sich für die Erledigung ihrer „Geschäfte“ immer tiefer in die Büsche zu schlagen - in den eigentlichen Lebensraum der seltenen Reptilien. Abgesehen von der Beunruhigung der Tiere ist hierdurch bereits eine sichtbare Schädigung der Vegetation erkennbar.   

2.   
Die Bewirtschaftung illegaler Felder hat große Flächen, des ohnehin immer kleiner werdenden Lebensraums, vollständig zerstört und ehemals wichtige Eiablageplätze und „Kinderstuben“ vernichtet. Gesetzte können hier nicht fruchten, solange sich seitens der Regierung nicht um die Durchsetzung  der Verbote gekümmert wird.   

3.   
Wildes Camping und Zelten stellen in vieler Hinsicht ein großes Problem dar. Einerseits zerstören die Reifen der tonnenschweren Fahrzeuge die Vegetation und verhindern dessen Nachwuchs, andererseits führt deren Schattenwurf zur Verlängerung der Inkubationszeit oder sogar dem Absterben zahlreicher Reptilieneier im Boden. Des Weiteren führt - erfahrungsgemäß – jeder zweite Campingurlauber mindestens einen Haushund mit, der als potentieller Jäger und zugleich als Nesträuber angesehen werden muss. Freilaufende und verwilderte Hunde und Katzen, aber natürlich auch Ratten, werden überdies durch Speisereste im Müll der Selbstversorger angelockt und lassen sich dauerhaft im Gebiet nieder. Schilder, die auf das Zeltverbot unter Androhung hoher Strafen aufmerksam machen, werden ignoriert, teilweise sogar einfach zerstört oder unkenntlich gemacht, um sich der Strafandrohung unter Vorwand der Unwissenheit zu entziehen.   

4.   
Durch unkontrollierbaren Wegfang ist die genetische Verarmung vorprogrammiert. Überdenkt man, dass von außen kein genetischer Austausch möglich ist, da es sich um ein isoliertes Vorkommen handelt, ist es sehr einfach vorstellbar, wie nahe miteinander verwandt die einzelnen Individuen sein müssen. Jedes einzelne – vor allem weibliche Tier – das für private Haltung und kommerzielle Vermarktung aus dem Gebiet entfernt wird, stellt daher eine nicht wieder gutzumachende Gefahr für die gesamte Population dar. Leider wurden auch im vergangenem Jahr wieder einzelne Fälle bekannt, bei denen Tiere aus niederen Beweggründen unnötig dem Gebiet entnommen wurden.   
Hierzu nur einige Beispiele:   

4/1  In einem Mülleimer des Athener Flughafens wurden 2001 mehrere Chamäleons und eine Westliche Sandboa Eryx jaculus, verpackt in einem zugeschnürten Leinenbeutel, entdeckt. Offensichtlich wurden die Tiere aus Angst vor der unumgänglichen Kontrolle zurückgelassen.   

4/2  Im Herbst 2001 wurde ein Besucher, einer dem Gebiet nahegelegenen Diskothek, mit einem Chamäleon auf der Schulter beobachtet.   

4/3  Auf einem Zigeunermarkt – etwa 50 km entfernt – wurden ebenfalls im Herbst 2001 einige Tiere zum Verkauf angeboten.   

Persönlich konnte ich mich außerdem mit mehreren, meist jüngeren Personen aus Athen unterhalten, nachdem ich sie auf der Suche nach den Reptilien beobachtet hatte und zur Rede stellen konnte. Bei mehreren Gelegenheiten wurde ich auch nach dem Marktwert eines Chamäleons gefragt. Hierzulande werden in „Zoofachgeschäften“ Grüne Leguane noch in Kanarienvogel – Käfigen angeboten. So würde es nicht verwundern, wenn professionelle Fänger diese bizarren Tiere für den Weiterverkauf an Tiergeschäfte sammeln würden.   



Natürliche Feinde   
Bisher konnten folgende Tierarten als Fressfeinde von Chamaeleo africanus nachgewiesen werden:   

- Steinmarder   
- Großes Wiesel   
- Waldkauz   
- Skorpion Mesobuthus gibosus   
- Hauskatze   
Daneben kommen – wie bereits geschildert – Hunde und Ratten als Prädatoren in Frage, ebenso wie Füchse und Dachse. Neben dem Waldkauz können auch andere Eulenarten sowie Greifvögel und selbst Schlangen (Europäische Eidechsennatter, Vierstreifennatter) erwachsene und wehrhafte Chamäleons erbeuten.   

Besonders die gerade geschlüpften Jungtiere sind gefährdet: Der Schlupf der Jungtiere erfolgt bei Anbruch der Dunkelheit und zieht sich bis in die frühen Morgenstunden. Nacht- und dämmerungsaktive Kleinsäuger, Reptilien aber auch Skolopender, Laufkäfer und Skorpione stellen ihnen bereits in der ersten Nacht nach. Die ersten Lebenstage verbringen die Tiere im niederen Strauchwerk und auf Gräsern. In diesem Lebensabschnitt stellen selbst weidende Ziegen und Schafe eine große Gefahr für die jungen Chamäleons dar.   

Natürliche Feinde hat es seit je her im gleichen Lebensraum gegeben. Sie können nicht verantwortlich für eine derartige Dezimierung gemacht werden. Anders verhält es sich mit verwilderten Hauskatzen, die erst durch die Anwesenheit vieler Urlauber genügend Nahrung finden, um sich dauerhaft hier aufzuhalten. Vor allem überwinternde Chamäleons können von den Hauskatzen wie „Reife Trauben“ vom Strauch gepflückt werden.   

Aussichten   
Da es ich bei Chamaeleo africanus wahrscheinlich um eine, vor einigen tausend Jahren eingeschleppte Art handelt, wird ihre Schutzwürdigkeit selbst in der Fachwelt oft nicht anerkannt.   
Im Gegensatz dazu werden andere Arten (Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis in Deutschland) ohne Vorbehalt als dort „heimisch“ akzeptiert. Und wie kam eigentlich das Europäische Chamäleon nach Iberien ???   
Wie auch immer; der Schutz einer Art kann bekanntlich nur durch den Erhalt ihres Lebensraums gewährleistet werden. Der Lebensraum des Chamaeleo africanus liegt in einem Gebiet, das durch eine Vielzahl unterschiedlicher Biotope einmalig und besonders schützenswürdig ist. Sanddünen, Feuchtwiesen, Sumpf, Macchie, Steilfelsen, Salzwiesen und einiges mehr, liegen direkt beieinander.   

Hilfe für die letzten Chamäleons ihrer Art in Europa bedeutet gleichzeitig Schutz für 29 weitere Amphibien- und Reptilienarten, unzählige Insekten, Spinnentiere, Pflanzen, Säugetiere und nachweislich 255 Vogelarten, die im gleichen Lebensraum vorkommen. Renaturierungsmassnahmen, Bewachung, Pflege und der gleichen kommen letztlich allen im Gebiet verbreiteten Tier- und Pflanzenarten zugute.   

Weitere im Gebiet beheimatete Amphibien- und Reptilienarten ( eigene Kartierung 2001 ):   

Bufo bufo spinosus, Bufo viridis, Hyla arborea, Rana creca, Rana ridibunda, Testudo hermanni borttgeri, Testudo marginata, Emys orbicularis, Mauremys revulata, Cyrtodactylus kotschyi, Hemidactylus turcicus, Anguis cephallonicus, Ophisaurus apodus thracius, Algyroides moreoticus, Lacerta trilinetata, Podarcis peloponnesiaca, Ablepharus kitaibeli, Ophiomorus punctatissimus, Typhlops vermicularis, Eryx jaculus, Coluber najadum dahli, Hierophis laurenti, Elaphe situla, Elaphe q. quatuorlineata, Natrix natrix persa, Natrix tessellata, Telescopus fallax, Malpolon monspessulanus insignitus, Vipera ammodytes meridionalis.   


Durchführung dauerhafter Hilfsmaßnahmen   
Folgende Schutzmaßnahmen werden seit nunmehr 7 Jahren von freiwilligen Helfern durchgeführt:   
An erster Stelle steht der Schutz der Gelege, die gegen grabende Säugetiere, aber auch vor Zerstörung von Allradfahrzeugen oder Vertritt gesichert werden müssen. Während der Saison gehen die Helfer behutsam das gesamte Gebiet, auf der Suche nach grabenden Weibchen ab. Nach Beendigung ihrer Grabtätigkeit – nach der Eiablage – ruhen die Muttertiere in ihren Nestern und verlassen diese erst wieder am darauffolgenden Morgen. Über Nacht werden grobmaschige Metallgitter über den Zugängen verankert, durch die die Chamäleons zwar uneingeschränkt herauskommen- aber keine größeren Säuger eindringen können. Nach dem Zugraben ihrer Gelege liegen die Muttertiere - sichtbar geschwächt - oft noch stundenlang vor ihren Nestern und sind ihren Feinden völlig ausgeliefert. Sie werden nun in den nächstliegenden Busch getragen, wo sie sich in sicherer Umgebung erholen können. Das Metallgitter wird jetzt über dem Nest, welches etwa 30 cm tief im Sand liegt, etwas weiter eingegraben und erneut mit langen Haken gesichert. Abschließend werden noch Fotos erstellt, auf denen unverwechselbare Merkmale der Nestumgebung zu erkennen sind. Dieses System hat sich bereits seit vielen Jahren bewährt und bisher haben Wind und Regen noch keines der Gitter freilegen können.   

Ab Anfang August werden die Nester mit Hilfe der Fotografien aufgesucht und von nun an regelmäßig kontrolliert. Die schlüpfenden Jungtiere werden nach Geschlechtern bestimmt und vorsorglich von den niederen Gräsern ins innere der Büsche gesetzt, wo sie vor streunenden Katzen und Hunden schwerer zu erbeuten sind.   

Regelmäßig werden bei Kontrollgängen auch verletzte Chamäleons gefunden, die Schwanz oder Gliedmaßen durch Angriffe verloren haben. Die Überlebenschancen dieser Tiere sind in freier Landschaft als relativ gering einzuschätzen. Derzeit steht dem Projekt ein Freigehege auf einem Privatgrundstück zur Verfügung, indem solche Tiere nach der Behandlung der Wunden untergebracht werden können. Rivalisierende Männchen fügen sich zur Paarungszeit oft ernsthafte Verletzungen zu, sodass leider immer nur ein Pärchen in der Anlage aufgenommen werden kann.   

Erfreulicherweise sind die Chamäleons in ihrem Biotop nur recht schwer zu finden. Auf der Partnersuche bewegen sie sich jedoch häufig außerhalb ihrer Verstecke, und können mehr oder weniger zufällig entdeckt werden. Nur zu oft werden diese interessanten Lebewesen aus Begeisterung dem Gebiet entnommen, um in der Gefangenschaft angeblicher Tierfreunde zu verenden, ohne ihre wichtige Aufgabe zur Vermehrung erledigt zu haben.   
Die reine Anwesenheit Freiwilliger Helfer hat bislang schon so manche Entnahme von Landschildkröten und Chamäleons in diesem Gebiet verhindern können. Leider ist eine ganzjährige Bewachung des Gebietes bislang aus organisatorischen- und finanziellen Gründen noch nicht möglich.   

Unumgänglich sind weiterhin regelmäßige Bestandsaufnahmen. In der sich durch negative Einflüsse ständig verändernden Landschaft konnte bereits ein deutlicher Rückgang bestätigt werden, der Anlass zu weiteren Maßnahmen rechtfertigt.   

Weitere Planung   
- ein Informationszentrum   
- weiter Gehege zur Aufnahme aller verletzten Tiere   
- kostenlose Unterbringungsmöglichkeit für freiwillige Helfer   
- Erneuerung der Hinweisschilder aus das Campingverbot und niedergerissener Poller   
- Einzäunung der Kerngebiete, oft liegen Badetouristen direkt auf den wenigen Gelegen   
- Kauf neuer Fahrräder. Die Bewachung des 4 km langen Küstenstreifens wäre zu Fuß nicht machbar   
- Ganzjährige Bewachung und Koordination durch einen hauptberuflichen Naturschutzwart   

Jedes Jahr werden in den Monaten August, September, Oktober freiwillige Helfer gesucht. Folgend Punkte sind zu beachten:   
- Mindestaufenthalt sollten 4 Wochen sein – besser 2 bis 3 Monate   
- Unterbringung auf einem Campingplatz – Zelt ist selbst mitzubringen   
- Für Studenten können Zeugnisse ausgestellt werden   
- Voraussetzung ist einzig das Interesse am Naturschutz und ein Mindestalter von 18 Jahren.   

Text:  Benny Trapp   
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