Allgemeines Die meisten Tiere stammen aus Zuchtbetrieben, wo sie speziell für den Tierhandel produziert werden. Ein Teil wird jedoch auch der Natur entnommen, indem gezielt die Jungtiere oder die Gelege eingesammelt werden. Die hohe Reproduktivität Ist für die Auswahl der verschiedenen Alten ausschlaggebend und nicht die Eignung zur Gefangenschaftshaltung. Schlüpfen die Tiere, so werden sie sogleich in einen Kühlraum gebracht und so gelagert, bis sie zum Verkauf in die ganze Welt versandt werden. Da die meisten Schmuckschildkröten eine Winterruhe oder einen Winterschlaf halten, überstehen die Schlüpflinge diese Prozedur. Oftmals treffen im Tierhandel jedoch Tiere ein, die nahezu ein halbes Jahr im Kühlhaus verbracht haben und beim Händler kaum gefüttert werden, was zur einer sehr hohen Ausfallquote führt. Die falsche und ungenügende Pflege führt dazu, dass kaum 10 % der Jungtiere das erste Lebensjahr erreichen. Die Schmuckschildkröten erreichen mit zwei bis fünf Jahren die Geschlechtsreife, haben mit sechs bis acht Jahren nahezu die maximale Grösse und sind mit Ausnahmen der Chrysemys picta dorsalis nur bedingt in grossen Aquarien zu pflegen. Sollen die Tiere artgerecht gehalten werden, ist ein Gewächshaus oder Wintergarten von Vorteil, eine reine Freilandhaltung wird bei unseren Temperaturen den Tieren nicht gerecht. Haltung Jungtiere werden das erste Jahr In einem kleinen Aquarium (bis 50 L) gepflegt. Der Behälter wird an einem möglichst hellen Ort (Südfenster) aufgestellt. Fixierte Äste, Wurzeln (Verklemmungsgefahr beachten) oder besser ein schwimmendes Korkrindenstück dienen als Landteil, auf welchem sich die Tiere sonnen und trocknen können. Die Insel wird mit einer Spotlampe (zum Beispiel Mischlicht-Reflektor MLR 180 W, Osram/Phllips) erhellt. Ist damit nicht genügend Helligkeit zu erreichen, ist es empfehlenswert zusätzlich eine Kombination mit Leuchtstoffröhren zu installieren. Der Spot wird auf eine Höhe angebracht, dass die Tiere auf dem Sonnenplatz Temperaturen um die 40 °C angeboten erhalten. Nachts sollen die Temperaturen auf Raumtemperatur gesenkt werden. Eine zusätzliche Heizung mit Regelheizer oder Heizmatte ist nicht erforderlich. Eine Aquarienpumpe sorgt für Belüftung und Bewegung des Wassers. Auch beim Einsatz eines Filters ist das Wasser mindestens wöchentlich zu erneuern. Da die Tiere gute Schwimmer sind, kann der Wasserstand ein mehrfaches der Panzerlänge betragen (Minimum: dreifache Panzerlänge). Im gleichen Masse wie die Tiere wachsen, ist das Aquarium durch ein grösseres zu ersetzen. Die Haltung der grossen Tiere ist dementsprechend aufwendig. Aquarien von 1000 und mehr Litern Inhalt oder Teiche in Kombination mit einem Gewächshaus ermöglichen eine zufriedenstellende Haltung. Geringer Tierbesatz und die grösstmögliche Filteranlage verringern den Pflegeaufwand (Weitere Hinweise siehe SIGS - Merkblatt Nr.2, Wasserschildkröten). Ernährung Jungtiere fressen mit Vorliebe rote, weisse oder schwarze Mückenlarven, Wasserflöhe, (z.B. als tiefgefrorenes Zierfischfutter), Kompost- und Regenwürmer, frisch gehäutete Mehlwürmer, kleine Fischstücke, sowie Grünzeug In Form von Wasserlinsen oder Löwenzahn. Getrocknete Bachflohkrebse werden regelmässig als BaIaststofffutter verabreicht. Ältere Tiere fressen vermehrt Grünzeug in Form von blättrigem Wiesengrün oder Wasserpflanzen. Auf das Verfüttern von Rinderherz, Katzen- und Hundefutter sowie Hackfleisch und dergleichen ist zu verzichten, da dies zu falschem Wachstum und zur Schädigung der Organe (Leber, Niere) sowie zur Verfettung der Tiere führt. Salz- oder Süsswassergarnelen (gefroren), Muschelfleisch, Insekten, wie Grillen, Grashüpfer, Schaben, Regenwürmer und Schnecken bereichern das Futterangebot. Getrocknete Garnelen (als Enten / Hühnerfutter erhältlich) werden als Ballastfutter angeboten. Geschlechtserkennung Männchen können schon mit zwei Jahren geschlechtsreif werden. Sie bleiben kleiner, besitzen einen längeren, breiteren Schwanz und die Schwanzwurzel ist deutlich dicker, die Kloakenöffnung ist ausserhalb des Panzerrandes und der Panzer ist flacher. Die Männchen aller Arten weisen deutlich verlängerte Vorderkrallen auf, die beim Paarungsspiel benutzt werden. Die Krallen sind also nicht zu schneiden wie in alter, schlechter Literatur empfohlen wird! Die Weibchen sind nach vier bis sieben Jahren geschlechtsreif, werden grösser, weisen einen höheren Panzer auf, haben einen kurzen kleinen Schwanz und die Kloakenöffnung ist innerhalb des Panzerrandes. Überwinterung (siehe SlGS- Merkblatt Nr. 5) Gruppenzusammensetzung Alle Schmuckschildkröten können mit anderen Schildkröten aus den gleichen Biotopen wie Dreirochelys, Chrysemys, Pseudemys, Sternotherus, Graptemys und Trachemys gehalten werden. In den meisten Fällen sind mehrere Weibchen der gleichen Art zusammen haltbar. Mehrere Männchen sind zu vermeiden, da der starke Paarungstrieb zu erhöhtem Stress und Ausfällen führt. Zu den einzelnen Arten: Trachemys scripta elegans Die Rotwangenschildkröte weist seitlich am Kopf auf jeder Seite einen grossen, roten, länglichen Fleck auf. Jeder Rippenschild des Rückenpanzers weist einen gelben Querstreifen auf, jeder Bauchpanzerschild einen schwarzen Fleck. Alte Männchen verlieren ihre Zeichnung und erhalten eine dunkle Färbung (Altersmelanismus). Weibchen werden bis zu 28 cm (Panzerlänge Stockmass), Männchen bis knapp 20 cm gross und erreichen ein Alter von bis zu 50 Jahren. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist das Mississippi - Tal von lllinois bis an den Golf. Die Trachemys scripta eIegans sollte drei bis vier Monate bei 2 bis 10° C Wassenemperatur überwintert werden. Trachemys scripta scripta Die Gelbwangenschildkröte weist auf jeder Kopfseite einen blockartigen gelben Fleck auf. Ihr Rückenpanzer ist höher gewölbt als der der Rotwangenschildkröte. Der Bauchpanzer ist meist ohne Zeichnung. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist das südöstliche Virginia bis ins nördliche Florida. Grösse, Alter, Winterschlaf entsprechen den Rotwangenschildkröten. Da die Einfuhr von Rotwangenschildkröten nach Deutschland gesetzlich verboten wurde, sind diese durch Gelbwangenschildkröten in den Farmen ersetzt worden. Da dies nicht gründlich vollzogen wurde, tauchen oft Unterartenbastarde Im Handel auf. Selten ist auch Tnachemys scripta troosti anzutreffen, die sich von der Rotwangenschildkröte durch den gelben Wangenstreifen unterscheidet. Pseudemys concinna concinna Die Hieroglyphenschildkröten weisen eine Reihe, zum Teil fein verästelter, Rückenpanzerzeichnungen auf. Der Bauchpanzer hat oft eine undeutliche, verschwommene Musterung. Diese Art bewohnt Flüsse und kann über 30 cm gross werden. Die Männchen bleiben kleiner, aber erreichen auch über 20 cm Länge. Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von Grünzeug, Schnecken und Weichtieren wie MuscheIn. Tiere aus nördlichen Gebieten können kalt überwintert werden, Tiere aus der Golfküstenregion halten hingegen nur eine Winterruhe (zwei bis drei Monate, 10 bis 15° C Wassertemperatur.) Pseudemys concinna floridana Die Weibchen werden bis zu 40 cm gross, die Männchen 22 cm. Die Weichteile sind kontrastreich schwarz/gelb gestreift. Der Bauchpanzer Ist ungezeichnet. Die Tiere sind ausgesprochene Pflanzenfresser. Eine Winterruhe entspricht der natürlichen Lebensweise. Pseuaemys nelsoni Die Florida-Rotbauchschildkröte bleibt kleiner als die Florida-Wasserschildkröte; Weibchen 34 cm, Männchen 22 cm. Der Panzer ist hoch gewölbt mit einer meist roten, groben Musterung auf dem Rücken, der Bauchpanzer ist im Jugendstadium mit einer Zeichnung versehen, Schlüpflinge haben meist einen roten oder orangefarbenen Bauchpanzer. Haltung und Lebensweise entsprechen der Pseudemys concinna floridana. Chrysemys picta dorsalis Die südliche Zierschildkröte ist die kleinste Schildkröte der vorgestellten Auswahl, welche am ehesten im Aquarium gepflegt werden kann. Die Weibchen werden 16, die Männchen kaum 10 cm gross. Auf dem Rückenpanzer erstreckt sich vom Nackenschild bis zu den Schwanzschilden ein roter Dorsalstreifen. Die Schildnähte können ebenfalls rot oder hell sein. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von südlich lllinois und Missouri an die Golfküste von Louisiana, Mississippi und Alabama. Männchen und Weibchen können untereinander sehr aggressiv und stressanfällig sein, so dass zeitweise Einzelhaltung zu empfehlen ist. SIGS - Informationsblatt Nr. 11 März 1995 H.Herrsche Schildkröten - Interessengemeinschaft (SIGS), Tel: +41 (0)79 432 76 32 Fax:+41 (079) 432 76 32 E-Mail: sigs@sigs.ch Internet: www.sigs.ch |