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Ursprünglich wurden Maurische Landschildkröten (Testudo graeca) aus der Türkei als Herpesträger erkannt. Später kamen auch Libanesische Maurische Landschildkröten und Pantherschildkröten (Geochelone pardalis) aus Südafrika dazu. Inzwischen wurden aber schon sehr viele Bestände in Deutschland, Österreich und der Schweiz infiziert, so dass Herpes allgegenwärtig ist. Zudem hat sich das Krankheitsbild in den letzten Jahren gewandelt und eine Früherkennung ist klinisch für den Besitzer oft unmöglich. Leider geht viel Untersuchungsmaterial verloren, da noch lange nicht alle verstorbenen Tiere zur Untersuchung eingesandt werden. Bisher sind Griechische Landschildkröten, Maurische Landschildkröten, Breitrandschildkröten, Vierzehenschildkröten, Köhlerschildkröten, Waldschildkröten, Spaltenschildkröten, Argentinische Landschildkröten, Pantherschildkröten, Ägyptische Landschildkröten und Europäische Sumpfschildkröten als Herpestiere erfasst worden. Krankheitsbild Das Krankheitsbild und der Krankheitsverlauf können unterschiedlich sein. Typisch ist jedoch der seuchenartige Verlauf. Zahlreiche Tiere sterben, ohne vorher eigentliche Krankheitssymptome zu zeigen. Befallene Tiere zeigen Veränderungen im Maul: Das kann eine starke Rötung der Zunge und/oder des Gaumens sein, es können im Maul aber auch massive Eiterbeläge gebildet werden, die dann zum Erstickungstod führen. Die Tiere können Schlucklähmungen zeigen: Sie beissen zwar ab, de Bissen bleibt aber im Maul liegen. Es kann in ganz kurzen Phasen zu Speichelfluss kommen. Einzelne Tiere zeigen nur phasenweise eine feuchte Nase oder leiden an Schluckbeschwerden, die über einige Stunden anhalten können, werden dann aber wieder symptomfrei. Neben diesen von aussen überprüfbaren Symptomen kommt es aber zu zahlreichen Veränderungen im Körper selbst: Speiseröhre und Magen können sich stark entzünden; das Hirn kann betroffen sein und die Tiere zeigen merkwürdige Bewegungen oder unnatürliche Kopfstellungen. Kranke Schildkröten zeigen oft ein reduziertes Allgemeinbefinden. Sie sind träge, fressen schlecht oder gar nicht. Sie wirken sehr müde und fallen vor dem Tod in eine langanhaltende Bewusstlosigkeit. Diagnose Bei befallenen Tieren, die eine Veränderung der Zunge zeigen, kann durch den Tierarzt ein Zungenabstrich gemacht werden. Das pathologische Institut des Tierspitals Bern kann diese Proben auf Herpesviren resp. herpestypische Einschlusskörperchen untersuchen. Es können im Blutserum Herpesantikörper nachgewiesen werden (Serumneutralisationstest). Das Staatliche Veterinäruntersuchungsamt in D-Detmold bietet diesen Test routinemässig an. Aus Rachentupfern kann an oben genannter Stelle das Virus isoliert werden. Verstorbene Tiere sind sofort, nur in Zeitungspapier eingewickelt (keine Plastikbeutel) zur Abklärung an ein pathologisches Institut einzusenden (zum Beispiel: Institut für Tierpathologie, Länggass-Strasse 122, CH-3021 Bern) oder Staatliches Veterinäruntersuchungsamt in Detmold - (vorher Dr. med. vet. Silvia Blahak informieren!) Es wird in Zukunft möglich sein, Antikörper gegen Herpesviren im Blut zu untersuchen, was auch für eine Bestandeserfassung von grossem Interesse sein wird (siehe Dissertation von Herr A. Schmidt). Behandlung Verdächtige Schildkröten sind sofort von den anderen abzutrennen. Die Umgebungstemperatur soll auf 26 bis 30°C erhöht werden, die Luftfeuchtigkeit soll mindestens 80 % betragen. Bei Verschlimmerung der Atemprobleme in warmer Umgebung ist die Temperatur auf etwa 24°C zu drosseln. Vor allem die Griechischen Schildkröten scheinen bei Herpesschüben die Temperatur schlecht zu vertragen. Die Tiere sind tierärztlich zu versorgen. Bei akutem Auftreten kann unter anderem Zovirax eingesetzt werden. Dieses Mittel reduziert die Virusvermehrung im Körper, macht die Tiere aber keinesfalls virusfrei. Wenn ein Tier die akute Phase überlebt, kann es gut weiterleben. Vorbeugung Ursprünglich waren vor allem Maurische LandschiIdkröten (Testudo graeca) Herpesvirenträger. Schlechte Unterbringung in den Fanggebieten und leidliche Transportbedingungen beim Import führt zu einer Schwächung der Tiere, so dass die Krankheit zum Ausbruch kommt. Inzwischen sind aber sehr viele unserer Bestände mit Herpesviren verseucht, so dass auch andere Arten als verdächtige Herpesträger gelten. Werden sie mit anderen Tieren zusammengebracht, führt dies zu einer Ansteckung, mit fatalen Folgen. Um den Bestand nicht zu gefährden, müssen neu erworbene Tiere blutserologisch abgeklärt werden. Hygiene Die Übertragung der Viren kann über die Futter- oder die Badebecken, aber auch über den Speichel, das Futter oder den direkten Kontakt erfolgen. Denken Sie daran, nach dem Kontakt mit den einzelnen Gehegen die Hände zu waschen und keine Geschirre, Futter oder Tiere von Gehege zu Gehege auszutauschen. Wichtige Hinweise
SIGS - Informationsblatt Nr. 10 März 1999, Dr.med.vet.U.Eggenschwiler Schildkröten - Interessengemeinschaft Schweiz (SIGS), Tel: +41 (0)79 432 76 32 Fax: +41 (079) 432 76 32 E-Mail: sigs@sigs.ch |