SIGS-Merkblatt Nr. 7
Bau von Folienteichanlagen zur Haltung von Sumpf- und Wasserschildkröten
Eine Teichanlage zur Haltung von Sumpf- und Wasserschildkröten im Freien ist kein biologisch intaktes Ökosystem. Es ist eine künstlich geschaffene, naturnahe Landschaft zur möglichst optimalen Haltung von in unseren Breitengraden nicht heimischen Tieren. Die Tiere und die Pflanzen benötigen die entsprechende Pflege, und an der Anlage sind während des Jahres gewisse Unterhaltsarbeiten auszuführen. 


Planung 
Vor dem Bau einer Folienteichanlage empfiehlt es sich, diese unter verschiedenen Gesichtspunkten zu planen, und eine bestehende Anlage bei einem erfahrenen Schildkrötenpfleger zu besichtigen  
Die Teichanlage kann eigentlich nie zu gross sein.  
Es ist eine genügend grosse Uferzone, sowie ein entsprechend grosser Landteil zur Eiablage vorzusehen.  
Gleichzeitig ist auch eine ausbruchsichere Einfriedung der Wasserschildkrötenanlage zu bedenken.  
Die fertige Wassertiefe sollte mindestens 80 cm betragen, um ein Durchfrieren des Teiches im Winter zu verunmöglichen (Winterschlaf der Schildkröten im Wasser).  
Die Form des Teiches hat auf die Qualität der Anlage keinen Einfluss.  
Vor Beginn der Aushubarbeiten ist abzuklären, ob sich eventuell Werkleitungen im Bereich der Teichgrube befinden und ob zur Erstellung der Anlage eine Baubewilligung notwendig ist.  


Lage 
Die Teichanlage sollte den ganzen Tag besonnt sein. 
Die Morgensonne ist für die Aufwärmphase der Schildkröten sehr wichtig  
Je windgeschützter die Anlage plaziert ist, um so besser fühlen sich die wärmebedürftigen Tiere.  
Der Teich soll möglichst nicht in unmittelbarer Nähe von Laubbäumen stehen (erhöhter Reinigungsaufwand im Herbst und unerwünschter Schattenwurf im Sommer).  
Die Anlage ist so zu gestalten, dass möglichst wenig Nährstoffe (wie zum Beispiel weggeschwemmter Humus bei Gewitterregen) in den Teich gelangen können.  
Eine Anlage kann auch an die Südfassade eines Gebäudes angebaut werden. Die Strahlungswärme der besonnten Fassade führt zu einer Verbesserung der Erwärmung der gesamten Anlage  


Abdichtungssysteme 
Es sind verschiedene Systeme auf dem Markt erhältlich. Bis zu einer Grösse von ca. 100 m2 WasserfIäche haben sich armierte PVC-Folien (zum Beispiel Sarna oder Tecnofol) bestens bewährt. 
Wählen Sie unbedingt ein erprobtes Produkt mit zehnjähriger Materialgarantie. 


Vorgehen 
Der Aushub der Teichgrube erfolgt je nach Grösse maschinell oder von Hand.  
Die Ausmasse sollen grundsätzlich 20 cm tiefer, länger und breiter als die Masse des fertigen Teiches (Grund- und Uferaufbau) dimensioniert sein.  
Die Tiefenabstufungen sind terrassenförmig anzulegen.  
Der Teichrand ist mittels Latte und Wasserwaage oder einer selbsthergestellten Schlauchwasserwaage in der Höhe auszugleichen.  
Entfernen Sie alle spitzen Gegenstände wie Steine, Wurzeln usw. und schliessen Sie entstandene Unebenheiten und Löcher.  
Danach wird eine ca. 5 cm starken Ausgleichsschicht aus Sand eingebracht.  
Beim Verlegen der Folie ist vor allem im Uferbereich darauf zu achten, dass möglichst wenig Falten entstehen, um ein kapillares Auslaufen des Teiches zu verhindern.  
Die gesamte Böschung und das Ufer werden mit gewaschenen, nicht scharf kantigem 
Bollensteinen ausgelegt. Die Hohlräume werden mit Kies und Sand gefüllt und eingewaschen. Durch das Auskleiden des Teiches mit sauberen Bollensteinen erreicht man eine nährstoffarme Konstruktion und damit ein geringes Algenwachstum.  
Jetzt kann der Teich mit Wasser gefüllt werden und zudem können eventuelle Anpassungsarbeiten vor allem im Uferbereich vorgenommen werden.  
Die Uferpartien können nun mit grossen Steinen, Wurzeln usw. dekoriert werden. Viele Wasserschildkröten bevorzugen Sonnenplätze auf Wurzeln, Baumstämmen und Steinen, die direkt aus dem Wasser ragen.  


Einfriedung 
Die Einfriedung des Teiches kann aus verschiedenen Materialien bestehen. Es ist darauf zu achten, dass sie mindestens 40 cm hoch ist.  
Der obere Rand kann nach innen überstehend konstruiert werden.  
Den Ecken der Einfriedung ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken, denn Wasserschildkröten sind wahre Ausbruchkünstler. Sie werden daher oben mit einem waagrecht liegenden Dreieckbrett abgedeckt. 


Bepflanzung 
Die Bepflanzung des Teiches ist von der Art und der Besatzdichte der zu haltenden Tiere abhängig und kann variieren, denn Wasser- und Sumpfschildkröten sind auch Pflanzenfresser.  
Grundsätzlich empfiehlt es sich, robuste Pflanzen zu wählen, und den Teich eher spartanisch zu bepflanzen.  
Die Wahl der Pflanzen richtet sich nach der Wassertiefe der einzelnen Zonen.  

Uferzone: (feuchter Boden)  
Sumpfdotterblume, Blutweiderich, Wiesen-Iris, Pfennigkraut, Sumpfvergissmeinnicht, Lichtnelke, Gauklerblume, Trollblume. 
Sumpfzone: (Wassertiefe bis 20 cm)  
Kalmus, Sumpf-CalIa, Sumpfdotterblume, Fieberklee, Sumpfschwertlilie, Wollgras, Binsen,  
Zyperngras. 
Wasserrand: (Wassertiefe bis 40 cm)  
Tannenwedel, Froschlöffel, Hechtkraut, Goldkeule. 
Tiefwasserzone: (Wassertiefe ab 50 cm)  
Seerose, Teichrose. 
Schwimmpflanzen: 
Froschbiss, Krebsschere  



Pflegemassnahmen 
Je schneller sich ein biologisches Gleichgewicht im Teich einstellt, um so geringer der Pflegeaufwand.  
Um dies zu beschleunigen, vermischt man die neue Teichanlage mit 2-3 Eimern Wasser eines bestehenden Teiches. Damit wird in kurzer Zeit eine grosse Besatzdichte an Kleinstlebewesen erreicht. Die eigentliche Pflege richtet sich nach der Jahreszeit:  

Frühling 
Abgestorbene Pflanzenteile entfernen  
Blätter und Fadenalgen abfischen  
Gräser und Stauden schneiden  
Sommer:  
Eventuell nochmaliges Abfischen von Fadenalgen  
Eventuell auslichten der Schwimmpflanzen  

Herbst  
Entfernen der auf der Wasseroberfläche treibenden Blätter  
Abfischen der Fadenalgen  
Abgestorbene Gräser und Pflanzenteile dürfen aber erst im Frühling geschnitten werden (Gasaustausch bei geschlossener Eisdecke)  

Tiere im Winter unter der Eisdecke  
Durch stehen lassen der Halme, kann Sauerstoff ein- und Faulgas austreten = Kaminwirkung.  
Werden die Halme im Herbst unter den Wasserspiegel geschnitten, bildet sich eine geschlossene Eisschicht, worunter die Tiere (auch Schildkröten) ersticken.  


Winter:  
Ruhezeit; warten auf den nächsten Frühling  
Der Teich kann problemlos zufrieren. Die Eisdecke sollte nicht geöffnet werden.  
Um den Sauerstoffgehalt des Wassers sicherzustellen, kann eventuell die Installation einer Luftpumpe, eines Oxidators oder einer Umwälzpumpe vorgesehen werden.  
Werden die Tiere laufend aufmerksam auf Verhaltensänderungen, Aktivitätseinbussen, Fressunlust, Verletzungen oder sonstige Auffälligkeiten beobachtet, kann mit gesunden Tieren ein problemloser Winterschlaf durchgeführt werden. 


Vergesellschaftung mit anderen Tierarten  
Gegen eine Vergesellschaftung mit Amphibien und Fischen ist grundsätzlich nichts einzuwenden.  Es ist aber möglich, dass die Wasserschildkröten Frösche oder Fische fressen, sofern sie sie erwischen.  


Geeignete Schildkrötenarten  
Folgende Schildkrötenarten aus den gemässigten Klimazonen können das ganze Jahr (inkl. Winterschlaf) in einer Teichanlage gehalten werden: 
Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis)  
Kaspische Bachschildkröte (Mauremys caspica)  
Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans)  
Waldbachschi ldkröte (Clemmys insculpta)  
Tropfenschildkröte (Clemmys gutteta)  
Chinesische Dreikielschildkröte (Chinemys reevesi)  

Verschiedene Schildkrötenarten aus subtropischen Klimazonen können während den Sommermonaten ebenfalls in einer Freiland-Teichanlage gehalten werden. Die Überwinterung dieser Tiere muss jedoch kontrolliert und verkürzt, zum Beispiel im Gewächshaus oder im Keller, erfolgen (siehe SIGS - lnformationsblatt Nr.5, Überwinterung der Wasserschildkröten"). 

Grundsätzlich ist eine Artentrennung zu befürworten. Landschildkröten müssen strikte von Sumpfschildkröten getrennt gehalten werden (Parasiten, Krankheiten). 



SIGS - Informationsblatt Nr. 7 März 1995 U. Jost  
Schildkröten - Interessengemeinschaft (SIGS),   
Tel: +41 (0)79 432 76 32 Fax:+41 (079) 432 76 32  
E-Mail: sigs@sigs.ch  
Internet: www.sigs.ch

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