Eine Anlage zur Haltung von Landschildkröten wird nie ein biologisch intaktes Ökosystem sein können. Sie ist eine künstlich geschaffene, naturnahe Aussenlandschaft zur möglichst optimalen Haltung von in unseren Breitengraden nicht heimischen Tieren. Die Tiere und Pflanzen benötigen eine entsprechende Pflege, und an der Anlage als solches sind während des Jahres gewisse Unterhaltsarbeiten auszuführen. Vor dem Bau einer Landschildkrötenanlage
empfiehlt es sich, diese unter Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte
zu planen und eine bestehende Anlage bei einem erfahrenen Schildkrötenpfleger
zu besichtigen.
Lage Eine Schildkrötenanlage sollte den ganzen Tag besonnt sein. Morgensonne für die Aufwärmphase der Schildkröten ist am wichtigsten. Je windgeschützter die Anlage liegt, um so besser ist dies für das Wohlbefinden der wärmebedürftigen Tiere. Ideal wären nach Süden abfallende Böschungen, welche auch den hügeligen Biotopen in den natürlichen Verbreitungsgebieten entsprechen. Natürlich dürfen auch Schattenplätze nicht fehlen. Eine Anlage kann auch an die Südfassade eines Gebäudes angelehnt werden. Die Strahlungswärme der besonnten Fassade führt zu einer Verbesserung der Erwärmung der gesamten Anlage. Einfriedung Die Schildkrötenanlage ist ausbruchsicher zu umranden. Die Konstruktion sollte für griechische und maurische Schildkröten (Testudo hermanni und graeca) oder asiatische Vierzehenschildkröten (Testudo ho~fleIdi), die sich zum Teil als wahre Kletterkünstler erweisen, mindestens 40 cm hoch sein. Wenn Breitrandschildkröten (Testudo marginata) oder grössere Tiere darin gehalten werden sollen, muss die Umrandung noch höher gebaut werden. Der obere Rand kann nach innen überstehen. Den Ecken der Einfriedung ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Denken Sie an unermüdliche und geschickte Kletterkünstler unter Ihren Pfleglingen, die vor allem in Eckkonstruktionen~ ausbrechen können. Die Ecken werden daher oben mit einem Dreieckbrett abgedeckt. Die Einzäunung ist mindestens 20 cm im Erdreich zu versenken (Landschildkröten graben sehr gut). Materialien Verschiedene Materialien stehen zur Konstruktion der Abgrenzungen zur Verfügung:
Die einzelnen Materialien haben alle ihre Vor- und Nachteile:Betonelemente haben den Vorteil, dass sie sehr dauerhaft sind, durch die geschlossenen Elemente als Windschutz dienen und gleichzeitig Wärme speichern. Es dürfen nur alte, gebrauchte Eisenbahnschwellen benützt werden, welche der Witterung ausgesetzt waren und daher weniger lmprägnierstoffe enthalten. Drahtgeflechtzäune haben den Vorteil der Transparenz, schützen aber anderseits nicht vor Wind und Zugluft und sind für die Schildkröten relativ leicht zu überklettern. Bodenstruktur Die Bodenstruktur eines Landschildkrötengeheges sollte möglichst abwechslungsreich gestaltet werden. Kiesige und sandige Plätze sollen sich mit dicht bepflanzten Stellen abwechseln und sich ergänzen. Nach Möglichkeit sind verschiedene Hügel und andere Sichthindernisse wie Wurzeln, grosse Steine usw. einzubauen, die es den Schildkröten ermöglichen, sich gegenseitig auszuweichen. Verschiedene Unterschlupfmöglichkeiten sind als Verstecke und als Schutz gegen die Witterung anzubieten. Ein Schildkrötengehege soll wie ein Abenteuerspielplatz aussehen. Eiablageplatz Auf jeden Fall sollte ein Eiablagehügel in der Anlage vorhanden sein. Dieser in südwestlicher Richtung abfallende Hügel muss möglichst ganztägig besonnt sein. Das Erdmaterial soll aus normalem Aushubmaterial oder Humus bestehen. Ein Sandhügel ist ungeeignet, da die Seitenwände der Eiablagegrube beim Graben immer wieder nachrutschen. Sonnenplatz In unseren Breitengraden müssen wir praktisch jeden Morgen mit taunassem Gras zu rechnen. Da die Sonneneinstrahlung weniger intensiv und das Temperaturniveau bei uns nicht so hoch sind wie in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Schildkröten, bleibt dieser Tau oft den ganzen Tag liegen. Es hat sich daher bewährt, verschiedene bekieste Sonnenplätze (vor allem im Bereich des gedeckten Unterschlupfes) anzulegen und von Pflanzenwuchs frei zu halten, um so ein möglichst schnelles Abtrocknen des Bodens zu erreichen. Um ein schnelles Überwachsen dieser Stellen zu verhindern, kann man den Humus 10 bis 20 cm tief abtragen und mit Kies und Schotter auffüllen. So entsteht eine nährstoffarme, magere Bodenkonstruktion. Wasser Eine Wasserschale oder sogar ein kleines Badebassin, welches wegen der Ertrinkungsgefahr nicht zu tief sein darf, ist zwingend erforderlich. Wasserbehältnisse, ob transportable Schalen oder eingelegte Becken, müssen auf einfache Weise und regelmässig gereinigt werden können, da die Tiere gerne Kot im Wasser absetzen, was rasch zu starker Verunreinigung führt und damit einer grossen Keimvermehrung Vorschub leistet. Futter (siehe SIGS - Informationsblatt Nr.8 „Ernährung der LandschiIdkröten" und Nr.1 „HaItung der europäischen Landschildkröten") Ein künstlich gestaltetes Gehege wird
wohl kaum je so gross angelegt werden können, dass die darin gehaltenen
Tiere sich ausschliesslich von der wachsenden Vegetation ernähren
können. Trotzdem soll man bemüht sein, Magerwiesenbewuchs zu
fördern (siehe auch Abschnitt ,,Bepflanzung").
Schildkrötenhaus Vor allem in der Übergangszeit, im Frühling und Herbst, sind die Schildkröten unserem nasskalten Klima ausgesetzt. Dies führt immer wieder zu gesundheitlichen Problemen dieser wärmebedürftigen Tiere. Um den Schildkröten die Möglichkeit zur Erwärmung sicherzustellen, haben sich Frühbeetkästen aus Doppelstegplatten bewährt. Durch den Treibhauseffekt kommen die Tiere schneller auf die für den Stoffwechsel notwendigen Vorzugstemperaturen. Wichtig ist, dass solche Kleintreibhäuser durch automatische Lüfter oder Einbringen von Steinspeichern vor Überhitzung geschützt werden. Frühbeetkästen und Lüfter sind in verschiedenen Grössen und Preisklassen im Gartenbau-Fachhandel erhältlich. Auch die Überwinterung ist im Frühbeetkasten möglich. Bedingung ist, dass der Bodengrund des Schildkrötenhauses ca. 40 cm tief aus Rindenhumus besteht, in welchem sich die Tiere im Winter eingraben können (siehe SIGS-lnformationsbaltt Nr. 4, Winterschlaf.) Der Frühbeetkasten wird danach mit Laub gefüllt und verschlossen. Die Tiere überwintern problemlos und erwachen im Frühling zu neuem Leben. Bepflanzung Bei der Bepflanzung eines Landschildkrötengeheges sollte man sich einerseits an der Natur orientieren (mediterrane Buschlandschaft), anderseits muss der Schildkrötenpfleger selbst ausprobieren, welche Pflanzen von den Schildkröten sofort gefressen werden oder in unseren Breitengraden zu kultivieren sind. Wichtig ist, mit der Bepflanzung im Gehege verschiedene Zonen zu schaffen. Die Pflanzen dienen als Unterschlupf während der Nacht, aber auch als Schattenspender in der Sommerzeit. Wichtig sind die Pflanzen als Sichtschutz, denn sie ermöglichen vor allem während der Paarungszeit, dass sich die Tiere ausweichen und zurückziehen können. Verschiedene buschige Pflanzen wie Zwergföhren, Buchs, Hagebuchen, aber auch zahlreiche Küchenkräuter und Ziergräser, zum Beispiel Ginster, Rosmarin Salbei, Thymian, Lavendel, Malven, verschiedene Ziergräser, Wachholderarten haben sich sehr gut bewährt. Gehegepflege Nebst der Pflege der Tiere (Fütterung, Reinigung, der Überprüfung des Gesundheitszustandes usw.), benötigt eine Schildkrötenanlage auch Unterhaltsarbeiten. Selbstverständlich müssen Futterreste täglich aus dem Gehege entfernt und das Wassergeschirr mit heissem Wasser gewaschen und neu gefüllt werden. Im Frühling ist es notwendig, abgestorbene Pflanzenteile zu entfernen und die Ziergräser zu schneiden. Ebenfalls ist es wichtig, diejenigen Plätze, die vegetationslos bleiben sollen, zu jäten. Fehler! Textmarke nicht definiert. Der Bodengrund und das Laub oder die Einstreu im Unterschlupf oder Schildkrötenhaus, sind periodisch zu wechseln. Die folgenden Schildkrötenarten aus
den gemässigten Klimazonen
Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)Es ist anzustreben, die Verschiedenen Arten getrennt zu halten (Krankheitsübertragung, Artendurchmischung, verschiedene Tagesrhythmen, andere Lebensweisen etc.) SIGS - Informationsblatt Nr. 6 März 1995 U.Jost Schildkröten - Interessengemeinschaft (SIGS), Tel: +41 (0)79 432 76 32 Fax:+41 (079) 432 76 32 E-Mail: sigs@sigs.ch Internet: www.sigs.ch |