Allgemeines Stoffwechselaktivitäten, Herzschlagfrequenz und Atmung werden auf ein Minimum gedrosselt. Die Verdauung ist stillgelegt. Sinkende Temperaturen, geringere Lichtintensität, kürzere Tage leiten hormonell diesen Zustand ein. Genaue Details sind nicht bekannt. Der Schilddrüse als Stoffwechselregulierung und der Epiphyse als Lichtintegrator kommen wichtige Funktionen zu. In diesem Zustand kann eine gesunde Schildkröte bis zu einem halben Jahr verharren, um dann im Frühjahr zu neuem Leben zu erwachen.Es gibt übrigens auch das Phänomen der Sommerruhe. Grosse Hitze und Trockenheit können in einem Ruhezustand verbracht werden. Man kennt dies zum Beispiel von den afrikanischen Schildkrötenarten Klappbrust-Pelomedusen (PeIusios) und Starrbrust-Pelomedusen (Pelomedusa). Für gesunde Tiere ist der Winterschlaf problemlos und gehört zum natürlichen Jahresablauf. Nur kranke, aber auch gesund wirkende, jedoch durch innere Leiden vorgeschädigte Tiere überleben dieses physiologische Ereignis nicht. Tiere, die trotz entsprechenden Aussenbedingungen nicht in den Winterschlaf verfallen, sind krank. Diese Krankheit verhindert die notwendige Stoffwechseldrosselung. Voraussetzungen für einen problemlosen Winterschlaf Der Ernährungszustand der Tiere muss in Ordnung sein. Sie dürfen weder zu mager noch zu fett (regelmässige Gewichtskontrollen.) sein. Vergewissern Sie sich bei den Weibchen, dass keine Eier in der Bauchhöhle verblieben sind (im Zweifelsfalle mittels Röntgenbild). Die Tiere müssen frei von Infektions- und Stoffwechselkrankheiten sein. Die Wassertemperatur für den Winterschlaf soll 2 bis 8° C betragen, für die Winterruhe 10 bis 16° C. Die Tiere schlafen regelmässiger in einem abgedunkelten Raum.
Zu beachten Probleme treten nicht wegen des Winterschlafs auf, der Winterschlaf aber kann schon bestehende Probleme zum Ausbruch bringen. Kranke Tiere dürfen nicht in den Winterschlaf verbracht werden. Fette Tiere beginnen mit zunehmender Wärme im Frühjahr Fett abzubauen. Infolge einer noch ungenügenden Stoffwechselaktivität kommt es aber zu einer unvollständigen Verbrennung. Es bilden sich Ketonkörper, die den Körper vergiften und zum Tod führen. Tiere, die im Freien überwintert werden, können aus folgenden Gründen Schaden erleiden: wenn das Aussenbiotop für die Überwinterung ungeeignet ist, wenn das Wasser gefrieren kann oder die Böschungen zu steil sind. wenn der Sauerstoffgehalt des Wassers ungenügend ist. Zuviel Laub und abgestorbene Pflanzenteile können zu einem Überangebot an Gerbsäure führen. In diesem Fall ist das Biotop mittels eines Qxydators zu belüften oder mit kontinuierlichen Frischwasserzugaben mit Sauerstoff anzureichern. Vorgehen für den Winterschlaf Im Freien gehaltene Tiere bereiten sich selber auf den Winterschlaf vor. In Aquarien oder ähnlichen Behältern gehaltene Tiere müssen auf den Winterschlaf vorbereitet werden. Fütterung, Beleuchtung, Beheizung und Raumtemperatur werden schrittweise reduziert, um dann nach 4 Wochen ganz eingestellt zu werden. Die Tiere werden in Räume verbracht, in denen die Temperaturen tiefer sind. Sie werden in Behälter gesetzt, deren Wasserstand der Panzerbreite entspricht. Die Behälter müssen vor Zugluft
geschützt werden.
Vorgehen für die Winterruhe Die Winterruhe findet bei höheren Temperaturen statt als der Winterschlaf. Ansonsten ist gleich vorzugehen wie für die Durchführung eines Winterschlafes, Die Tiere können in ihren üblichen Behältnissen belassen werden, der Wasserstand wird jedoch reduziert. Trennen Sie die Tiere nach Geschlechtern. Sie fördern damit die Paarungsaktivität im Frühjahr. Kontrolle Überprüfen Sie Ihre Tiere regelmässig. Achten Sie auf möglichen Pilzbefall. Zur Bekämpfung geben Sie Kupfermünzen ins Wasser und nehmen Sie die Tiere zeitweise ans Trockene. Aufwachphase Der Winterschlaf oder die Winterruhe wird in umgekehrter Reihenfolge beendet wie eingeleitet. Steigern Sie die Temperaturen und die Beleuchtung über einen Zeitraum von 4 Wochen bis zu ihrem Maximum. Sind 20° C erreicht, kann bei voller Beleuchtung mit der Fütterung begonnen werden. Achten Sie auf ein hochwertiges Futterangebot wie Würmer, Schnecken, Muscheln, Fisch, Süsswassergarnelen usw. Achten Sie während des ganzen Jahres auf den Gesundheitszustand Ihrer Tiere Im Herbst ist es meist zu spät. Halten Sie sich an den naturgemässen Jahresrhythmus und bieten Sie allen gesunden Tieren jeder Altersklasse unter Berücksichtigung der obengenannten Ausnahmen die Möglichkeit eines Winterschlafes an. Mussten die Tiere mit Medikamenten versorgt werden (auch Wurmsirup!) dürfen sie frühestens 6 Wochen nach der letzten Gabe eingewintert werden. Auch Nachzuchttiere müssen bereits im ersten Winter in einen Winterschlaf verbracht werden. Richtwerte für den Winterschlaf der terrestrischen Sumpfschildkröten
SIGS - Informationsblatt Nr. 5 März 1995 H. Herrsche Schildkröten - Interessengemeinschaft (SIGS), Tel: +41 (0)79 432 76 32 Fax:+41 (079) 432 76 32 E-Mail: sigs@sigs.ch Internet: www.sigs.ch |