Die Bestimmung der Art ist wesentlich, denn die Haltungsbedingungen sind zur Hauptsache abhängig von der Lebensweise und dem natürlichen Herkunftsort. Ist die Bestimmung gemäss Literaturangaben nicht möglich, ist eine fachkundige Person (Züchter, Zoologe, evtl. Tierarzt) beizuziehen. Viele Schildkrötenarten vertragen sich nur zeitweise und können deshalb nur zur Paarungszeit zusammengehalten werden. Bissige und aggressive Tiere sind einzeln zu pflegen. Oft ist es einfacher, artfremde Tiere zu vergesellschaften als arteigene. Einige wenige Schildkrötenarten lassen sich ganzjährig im Freien halten. Es sind dies Arten aus den nördlichen USA und Südkanada, ein Teil europäische sowie einige wenige Arten aus dem nördlichen China). Subtropische Arten, welche eine Winterruhe halten, können ganzjährig im Gewächshaus verbleiben. Südasiatische, australische, zentral - und südamerikanische sowie afrikanische Arten verlangen ganzjährig eine warme Haltung bei Temperaturen von 20 bis 30° C. Ein gefahrloser Freilandaufenthalt ist bei diesen Tieren nur möglich, wenn die erforderlichen Temperaturen über einen grösseren Zeitraum gewährleistet werden können. Wasserteil Die Grösse des Wasserteiles ist von der Art abhängig. Terrestrische Arten (keine Schwimmhäute zwischen den Zehen, meistens hoher Panzer) kommen mit einer flachen Wasserschale aus (Wasserstand maximal Panzerhöhe). Sumpfschildkröten (andeutungsweise Schwimmhäute, meist flacher Panzer) sollten pro ungefähr 15 cm grossem Tier mindestens 50 Liter Wasser angeboten werden. Der Wasserstand entspricht der Stehhöhe der Schildkröte. Wasserschildkröten (starke, grosse Schwimmhäute zwischen den Zehen) benötigen mindestens 100 Liter Wasser pro 15 cm grossem Tier. Die Wassertiefe sollte ein Mehrfaches der Länge der Tiere betragen. Je grösser die Wassermenge und je geringer die Zahl der Tiere, desto kleiner ist der Arbeitsaufwand für den Wasserwechsel und die Reinigung. Landteil Die Gestaltung des Landteiles hängt von der darin gehaltenen Art ab. Terrestrische Arten verlangen einen grösseren Landteil mit Unterschlupf - und Grabmöglichkeiten. Als Substrat eignet sich Rindenkompost oder ähnliches. Auf scharfkantiges, staubiges oder faseriges Material ist wegen der Verletzungsgefahr zu verzichten. Sumpf- und Wasserschildkröten benötigen einen Landteil für das Sonnenbad und die Eiablage. Der Landteil aus Rindenkompost oder einem Gemisch aus feuchtem Torf und Sand sollte mindestens 15 cm über dem Wasserspiegel angelegt werden. Viele Arten bevorzugen einen über dem Wasserspiegel angebrachten Sonnenplatz. Als Sonnenplatz eignet sich ein Ast, Wurzelholz, Korkstück oder dergleichen. Der Landteil soll örtlich mit einer starken Spotlampe auf 40 C erwärmt werden können. Wärme Die meisten Arten benötigen eine Heizung. Das Wasser sollte nicht wärmer als die Luft sein. Von Vorteil ist eine Wassertemperatur, die 2 bis 3 °C unter der Lufttemperatur liegt, um der Erkältungsgefahr infolge Zugluft vorzubeugen. (Anzeichen einer Erkältung können schräge Schwimmlage und/oder entzündete Augen sein). Bei einer raumoffenen Anlage ist die massgebende Temperatur die nächtliche Zimmertemperatur. Der Landteil oder der Sonnenplatz sollte mit einer Spotlampe (Mischlicht - Reflektor 160 Watt Osram oder Philips) bis auf 40 °C erwärmt werden. Der Luftraum wird durch die Abwärme der Beleuchtung oder notfalls durch Strahler auf einen mindestens 20 °C über der Wassertemperatur liegenden Bereich erwärmt. Licht Die meisten Schildkröten bevorzugen eine starke Beleuchtung. Sofern die Tiere nicht an einem besonnten Fenster (auf Schutz vor Zugluft achten!) gehalten werden können, ist die Helligkeit durch Leuchtstoffröhren und Quecksilberdampflampen zu gewährleisten. Als Faustregel gilt: Die Schildkröten benötigen soviel Licht, wie eine Pflanze für ihr Wachstum beansprucht. Bei Tieren, die ganzjährig in Aquaterrarien gehalten werden, ist auf ein ausgewogenes, möglichst natürliches Lichtspektrum zu achten. Wasserqualität und Filter Der häufig vorzunehmende Wasserwechsel sollte so bequem und einfach wie möglich vonstatten gehen können. Berücksichtigen Sie dies schon beim Bau Ihrer Anlage. Das Filtrieren des Wasser ist zwingend, wenn nicht alle 2 bis 3 Tage ein Wasserwechsel durchgeführt werden kann. Mit den käuflichen Filtern ist in regelmässigen Zeitabständen ein totaler Wasserwechsel notwendig. Es empfiehlt sich, den grösstmöglichen Filter zu verwenden Massgebend für die Wahl der Pumpe ist das Filtervolumen, nicht die Literleistung. Je grösser das Volumen, desto grösser ist die Ansiedlung der wasserreinigenden Bakterien (Biologische Filterfläche). Pumpen nützen sich mit der Zeit ab und erzeugen Fehlströme. Erneuern Sie sie zu gegebener Zeit. Zudem ist es von Vorteil, sämtlichen elektrischen Apparate an eine Fehlerstromsteckdose (FI-Schalter) anzuschliessen. Winterruhe Tiere aus subtropischen Lebensräum1en halten bei etwa 10 bis 18 °C eine Winterruhe. Simulieren Sie diese Phase, indem Sie die Heizung während etwa 3 Monaten abschalten. Die Beleuchtungsintensität und -dauer können reduziert oder ganz eingestellt werden. Viele Arten aus nördlichen Verbreitungsgebieten halten einen Winterschlaf. Während einer Vorbereitungsphase werden die Tiere auf tiefere Temperaturen eingestellt. Die Fütterung wird abgebrochen. Anschliessend können sie in Plastikbehälter gesetzt werden, die panzerbreitehoch mit Wasser gefüllt sind. So verbleiben sie bei 2 bis 8 °C in einem abgedunkelten, zugfreien Raum (eventuell Kühlschrank). Auch tropische Tiere sind einem jahreszeitlichen Wechsel wie zum Beispiel Regenzeiten unterworfen. Dies ahmen Sie mittels regelmässigem Besprühen nach. Futter Eine vielseitige Fütterung ist das A und 0 einer erfolgreichen Haltung. Es gibt kein Universalfutter. Der Menüplan ist so vielseitig und reichhaltig wie möglich zu gestalten. Pflanzliche Kost soll ebenfalls angeboten werden. Natürliches Futter wie Würmer, Schnecken, Insekten, Insektenlarven, Muscheln und Fisch gehört selbstverständlich zuoberst auf den Speisezettel. (Rinderherz soll nur sparsam angeboten werden, und dann nur ergänzt mit entsprechenden Ballaststoffen wie getrocknete Bachflohkrebse, Garnelen oder Kellerasseln Heuschrecken, Grillen, Schaben, usw.). In der Natur verbringen die Schildkröten die meiste Zeit bei der Nahrungssuche. Es ist ratsam, aufgetautes Frostfuffer wie zum Beispiel Mückenlarven zu verfüttern. So können Sie Ihre Tiere über längere Zeit mit der Futteraufnahme beschäftigen. Krankheit und Prophylaxe Verletzte oder kranke Schildkröten sind getrennt zu halten und so hygienisch wie möglich unterzubringen. Das Behältnis muss leicht zu säubern sein und soll mindestens einmal täglich gereinigt werden. Bissverletzungen müssen gereinigt und gepflegt werden. Je nach Schweregrad muss eine antibiotische Salbe verwendet werden, welche auch im Wasser längere Zeit haften bleibt. Neu erworbene Tiere sind während 2 bis 5 Monaten in Quarantäne zu pflegen, das heisst, sie sind streng getrennt vom Bestand zu halten. Dies ermöglicht die genaue Beobachtung des Gesundheitszustandes und die Angewöhnung des Tieres. Lassen Sie den Kot auf Parasiten überprüfen (möglichst frisch an eine entsprechende Untersuchungsstelle, z. B. Tierarzt senden). Nur gesunde und kräftige Tiere dürfen nach dieser Quarantänezeit in den Bestand eingesetzt werden. Hygiene Waschen Sie nach jedem Kontakt mit den Tieren und Aquarien Ihre Hände mit alkalischer Seife und warmem Wasser. Jede Schildkröte, auch wenn sie einen gesunden Eindruck vermittelt, kann Träger von Amöben oder Salmonellen sein. SIGS - Informationsblatt Nr. 2 März 1995 H.Herrsche Schildkröten - Interessengemeinschaft (SIGS), Tel: +41 (0)79 432 76 32 Fax:+41 (079) 432 76 32 E-Mail: sigs@sigs.ch Internet: www.sigs.ch |