SIGS-Merkblatt Nr. 1
Haltung von europäischen und aus dem Mittelmeerraum stammenden Landschildkröten.
Nehmen Sie mit Hilfe der vorhandenen Fachliteratur die Bestimmung der von Ihnen gehaltenen Art vor. Ist das Tier nicht eindeutig bestimmbar oder nicht als europäische oder aus dem Mittelmeerraum stammende Landschildkröte zu identifizieren, ist eine fachkundige Person (Züchter. Zoologe, Tierarzt usw.) beizuziehen. Schildkröten aus subtropischem, tropischem oder Wüstenklima verlangen andere Haltungsbedingungen als die nachstehend beschriebenen.  

Landschildkröten sollten nicht mit Sumpf- oder Wasserschildkröten (auch nicht mit Dosenschildkröten (Terrapene - Arten!) oder anderen Feuchtgebietbewohnern zusammengehalten werden. Es gibt Schmarotzer (Parasiten), die den Landschildkröten mit verheerenden Wirkungen zusetzen können Andere Schildkröten erkranken nicht unbedingt obwohl sie Ausscheider der Parasiten sein können.  
Es sollten für jede Tiergruppe separate Arbeitswerkzeuge und Futtergeschirre verwendet werden.  
Nach jedem Kontakt mit den Tieren sind die Hände zu waschen Normale (alkalische) Seife genügt. Alle Arbeitsgeräte sind sauber und trocken zu halten  



Voraussetzungen  
Europäische oder aus Mittelmeergebieten stammende Landschildkröten sollten wenn möglich im Freiland gehalten werden. In der Wohnung oder auf dem Balkon sind die Tiere nicht artgerecht zu halten und der Zugluft ausgesetzt. 
Grösseren Tieren sollte eine grosse Freilandfläche angeboten werden, die 5m2 keinesfalls unterschreiten soll. Für jedes weitere Tier sollten mindestens 2 m2 dazukommen. Dies sind wirklich nur minimalste Flächenangaben! 
Je grösser das Gelände, desto besser.   


Das Freilandgehege muss windgeschützt sein und eine bestmögliche Sonneneinstrahlung aufweisen. Das Gehege sollte den ganzen Tag besonnt sein, einschliesslich Morgensonne  
Schattenplätze sollen den Tieren zur Verfügung stehen.  
Die Umzäunung muss ausbruchsicher und mindestens 40cm hoch sein. Eine Abwinkelung nach innen verhindert das Ueberkletterm. Denken Sie beim Bau der Umrandung auch an die erstaunlichen Grableistungen einiger Schildkröten.  
Bieten Sie den Tieren Unterschlüpfe an. Es sollten windgeschützte schattenspendende und trockene Verstecke sein. Jedes Tier soll seinen eigenen Unterschlupf im Gehege auswählen können.  
Je nach Herkunft der Tiere ist deren Temperaturbedürfnissen Rechnung zu tragen (auch bei Nachzuchttieren!). Da es den Schildkröten als Reptilien nicht möglich ist. ihre Körpertemperatur selber zu erzeugen, muss die benötigte Wärme je nach Aussentemperatur zusätzlich angeboten werden. Unser Klima ist vor allem im Frühjahr und im Herbst zu kalt und zu feucht. Im Mittelmeerraum ist die Sonnenstrahlung viel intensiver (länger und stärker). Eine Schildkrötenhütte ist mit einem Frühbeetkasten oder kleinen Gewächshaus einfach zu erstellen.  
Steinspeicher als Wärmepuffer, automatische Fensterheber oder Schattiervorrichtungen schützen die Tiere vor Überhitzung. Besichtigen Sie vor dem Bau bestehende Anlagen (siehe SIGS - lnformationsblatt Nr. 6, Bau von Freilandanlagen).  
Bieten Sie Ihren Tieren jederzeit Wasser an. Die meisten Landschildkröten trinken nur badend Wasser. Denken Sie aber auch an den hygienischen Aspekt: Die Tiere lösen gerne Harn, Harnsäure oder Kot im Wasser was zu einer starken Verunreinigung führt und der Übertragung von Keimen Vorschub leistet. Das Wasserbad kann nicht oft genug gewechselt und gereinigt werden. Trocknen im Sonnenlicht ersetzt Desinfektionsmittel.  


Fütterung  
Landschildkröten sind im wahren Sinne Feinschmecker, die Grünzeug aller Art lieben; Löwenzahn, Wegerich, Winden, Hahnenfuss, Gänseblümchen; Kräuter aller Art, Spitzgras usw. Es gibt kein Fertigfutter, das den Ansprüchen der Landschildkröte gerecht wird. Vorsicht mit Früchten. Übermässiger Genuss kann zu massiven Blähungen und/oder Durchfall führen.  
In verschiedenen Büchern wird empfohlen, Müsli, Teigwaren, Fleisch usw. anzubieten. Vermeiden Sie dies, denn Landschildkröten sind vorn Aufbau und den Funktionen her ausgesprochene Pflanzenfresser. Diesen Bedürfnissen haben wir Rechnung zu tragen. Tomaten, Gurken, Kopfsalat usw. sind kein hochwertiges Futter und sollten nicht angeboten werden. Sepiaschalen werden von aller Tieren gerne angenommen und fördem die natürliche Abnützung der Hornscheiden der Schildkröten und ergänzen den Kalkbedarf.  


Überwinterung  
(siehe auch SIGS - lnformationsblatt Nr. 4  " Winterschlaf Landschildkröten")  

Im Freien gehaltene Schildkröten bereiten sich selbständig auf den Winterschlaf vor und graben sich selber ein. Die Überwinterungsstelle muss mäuse-/marder sicher (Drahtgitter, plastifiziert oder verzinkt) etwa 80 cm in den Boden eingelassen werden. Als Substrat eignet sich ein Gemisch aus lockerer Erde, Rindenkompost und Laub.  
Während einer 4 bis 6 wöchigen Vorbereitungsphase werden die Tiere langsam vorbereitet; Das Futter wird entzogen, die Temperaturen und die Lichtintensität schrittweise reduziert. Die Überwinterungskiste wird mit einem Gemisch aus lockerer Erde, Rindenkompost und Laub gefüllt und gut angefeuchtet. Die Tiere werden hineingesetzt und dann bei Temperaturen von 2 bis 6 °C. überwintert. Der Deckel soll luftdurchlässig aber mäusesicher sein. Das Substrat ist während des ganzen Winterschlafes auf genügenden Feuchtigkeitsgehalt zu überprüfen. Ausnahme: die Steppen- oder Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldi) ist eher trocken zu halten.  
Die Winterschlafdauer richtet sich nach der Herkunft der Tiere und soll höchstens 3 bis 4 Monate dauern. Tiere aus südlicheren Verbreitungsgebieten sowie nordafrikanische Landschildkröten machen zum Teil nur eine Winterruhe von 1 bis 2 Monaten bei 8 bis 15 °C  
Kranke und schwache Tiere dürfen nicht in den Winterschlaf gebracht werden.  
Im Frühling werden die Tiere nach dem Erwachen gebadet. Wägen Sie die Tiere, Gewichtsverluste sind zu vermeiden Sie sprechen für zu trockene und/oder zu warme Einwinterung. Die Augen sollen klar, keinesfalls eingefallen, die Nasenlöcher sollen offen und trocken sein. Diese allgemeinen Richtlinien gelten nur für Landschildkröten ab dem 3. - 4. Lebensjahr. Für Jungtiere siehe separates SIGS - Informationsblatt Nr. 3 "Aufzucht". Dieses Merkblatt ersetzt keinesfalls das intensive Studium der einzelnen Arten in speziellen sowie den Erfahrungsaustausch mit erfahrenen Haltern  



SIGS - Informationsblatt Nr. 1 März 1995 H. Herrsche  
Schildkröten - Interessengemeinschaft (SIGS),  
Tel: +41 (0)79 432 76 32 Fax:+41 (079) 432 76 32 
E-Mail: sigs@sigs.ch  
Internet: www.sigs.ch

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