| Der Kampf
um den Ostertermin
Das jüdische Pessach-Fest ist das zweithöchste Fest der Juden nach dem Versöhnungstag (Jom Kippur). Pessach erinnert an den Auszug aus Ägypten, bei dem Moses das auserwählte Volk vor mehr als 3.200 Jahren angeführt hatte. Pessach ist aber auch ein Referenz-Datum im christlichen Festkalender. So feiern die Christen - zumindest der grösste Teil von ihnen - seit mehr als 1.900 Jahren am Sonntag nach Pessach Ostern. Trotz der unterschiedlichen Passionsdatierungen zwischen den drei Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas) und dem Johannesevangelium besteht in der heutigen Bibelwissenschaft weitgehend Konsens über die höhere Datumsverlässlichkeit des Evangelisten Johannes. Demnach starb Jesus an einem Freitag und wenige Stunden vor dem Beginn eines Pessach-Festes. Für die Berechnung ist somit ein Festbeginn an einem Freitag innerhalb der Zeitspanne 27 bis 32 n.Chr. relevant. Daraus ergibt sich dann als Todestag Jesu Freitag, der 7. April des Jahres 30. Die meisten Christen feierten in der Folge am Sonntag nach Pessach Ostern. Allerdings gab und gibt es immer Ausnahmen. Interessant ist, wie lange sich etwa in den mit Johannes verbundenen Gemeinden der Urkirche - Ephesos und das westliche Kleinasien - der Tag des Pessach-Beginns als Osterdatum gehalten hat. Nähe zum Judentum
Papst Viktor I. wollte um 200 eine einheitliche Datierung für die gesamte Kirche durchsetzen. Er ordnete deshalb an, dass in den einzelnen Provinzen Synoden durchgeführt werden. Auf ihnen sprach sich die Mehrheit für die Praxis der "Dominicales" aus. Im alten Brauch
Doch der Streit um den richtigen Ostertermin war noch nicht beendet. Denn wenn man sich auch auf den Sonntag geeinigt hatte, war man sich über den "echten" Frühlingsvollmond nicht einig. Kritisch war ein "Sonntagsvollmond" an einem 21. März - wie etwa im Jahr 387. War das jetzt noch ein Wintervollmond oder bereits Frühling? Aus den Schriften des Kirchenvaters Ambrosius ist zu erfahren, dass sich die Kirche darüber nicht einigen konnte: In Rom feierte man Ostern im Jahr 387 am 21. März, in Alexandrien aber erst am 25. April. |
Es dauerte weitere 140 Jahre,
bis sich Römer und Alexandriner über einen gemeinsamen Ostertermin
einigen konnten. 525 bat Papst Johannes I. den Mönch Dionysius Exiguus
in der Sache um Rat. Dieser errechnete eine "Ostertafel" für die nächsten
Jahrzehnte. Mit ihrer Annahme im Westen wie im Osten war der eigentliche
Osterfeststreit beendet.
Orthodoxe Ostern
In der Neuzeit gab es mehrere Vorstösse, den Ostertag auf einen bestimmten Sonntag festzulegen. 1897 wandten sich astronomische Kreise diesbezüglich an den Papst, 1931 auch der Völkerbund. Das Zweite Vatikanische Konzil befasste sich mit der Angelegenheit; in einer Erklärung von 1963 bekundete es seine Bereitschaft, das Osterfest auf einen bestimmten Sonntag im Gregorianischen Kalender zu legen - wenn alle, auch die getrennten Ostkirchen, zustimmen. Papst Paul VI. ergriff dann die Initiative, und schlug vor, Ostern ab 1977 - als alle Osterfesttermine zeitlich zusammenfielen - auf den Sonntag nach dem zweiten Samstag im April zu legen. Fast alle Bischofskonferenzen waren einverstanden - das Ja der Ostkirchen vorausgesetzt. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel signalisierte allerdings ein "schwerwiegendes pastorales Problem", das einer längeren Prüfung bedürfe. Ein vorerst definitives Nein kam 1982 von der Klostergemeinschaft am Berg Athos. Zuletzt war die Frage beim grossen "Millenniumstreffen" aller Oberhäupter der orthodoxen Kirchen im Dezember 2000 in Istanbul wieder erörtert worden Sonntag nach dem ersten Frühlingsmond
Als Vollmondtag galt der 5. April, welcher
mit dem 14. Nisan, dem Vollmondtag im ersten Frühlingsmonat (Nisan)
des jüdischen Kalenders, übereinstimmt.
Passahfest am 14. Nisan, der Tag an dem die Juden vor dem Auszug aus Ägypten das Passahlamm schlachteten. Nach dem Evangelium Johannes wurde Jesus
an einem Freitag, am 14. Nisan gekreuzigt.
Die Orthodoxen haben Vorbehalte gegenüber
dem gregorianischen Kalender, weil in manchen Jahren, z. B. im Jahr 2005
im Westen schon Ostern ist, während der jüdische Kalender noch
einen Schaltmonat vor dem Frühlingsmonat Nisan einschiebt und laut
julianischen Kalender noch Winter ist. Ostern wird also im Westen 2005
vor Passah gefeiert, was dem Konzil von 341 in Antiochien widerspricht:
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Der Julianische Kalender hinkt infolge eines unterschiedlichen Schaltjahrmodus, heute bereits 13 Tage hinterher, statt wie oft angenommen nur 10 Tage, wie dies 1582 der Fall war.